03.12.2015

… den Geflüchteten und MitarbeiterInnen im Wohnheim für Flüchtlinge in Berlin-Lichtenberg

Berlin | Evrim Sommer und Katja Kipping in Fluechtlingsunterkunft

Am Freitag, den 27. November besuchte ich zusammen mit Evrim Sommer, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus und Frauenpolitische Sprecherin, ein Wohnheim für Flüchtlinge in Berlin Lichtenberg. Es leben aktuell fast 300 Menschen in den Containern, fast die Hälfte von ihnen stammen aus Syrien, Irak und Afghanistan. Mit einigen von ihnen sind wir ins Gespräch gekommen.

Wir wurden zunächst herzlich empfangen von Annika Hartmann, der Leiterin des vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk betriebenen Heim, und von einigen Geflüchteten. Gefragt von Evrim und mir nach den größten Problemen, die diese umtreiben, verweisen die meisten auf persönliche Probleme: So sei der Familiennachzug und die Sorge um die Familie, die oft im Kriegsgebiet ausharren müssten, die größte Belastung. Mitunter scheitert der Familiennachzug daran, dass Familienangehörige keine Pässe vorweisen können, da diese nicht im Oppositionsgebiet beantragt werden können.

Berlin | Evrim Sommer und Katja Kipping in Fluechtlingsunterkunft

Auch das Verhalten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, war Anlass für Kritik der Geflüchteten. Anders als bei allen anderen Kontakten, die diese in Deutschland erfahren, sei das Verhalten der BeamtInnen des BAMF von Respektlosigkeit und Unfreundlichkeit geprägt. Gefragt, ob es untereinander Auseinandersetzungen gebe, war die Antwort ein klares nein: „We search for peace, so why should we fight here?“

Auch wenn die Betreibenden sich große Mühe gegeben haben, die Container freundlich und ansprechend zu gestalten – es ist selbstverständlich eine große Belastung, vor allem auch für Familien mit Kindern, dort zu leben. Es gibt jeweils nur Sanitärräume außerhalb der Wohnräume; Kinder können aufgrund der Hellhörigkeit nur schlecht schlafen, Familien haben kaum Privatsphäre. Die Geflüchteten verwiesen auf die leerstehenden Häuser, die sie in Hohenschönhausen sehen, und auf die Tatsache, dass das Leben in einer eigenen Wohnung billiger sei als die Unterkunft in den Containern. Das stimmt überein mit unserer Position, dass wir für das Leben in einer eigenen Wohnung plädieren. Es war den Geflüchteten aber ein großes Bedürfnis zu erwähnen, dass ihre eigenen Nachbarländer sie nicht aufgenommen haben, und dass sie sich nicht beschweren wollten über ihre jetzigen Verhältnisse.

Berlin | Evrim Sommer und Katja Kipping in Fluechtlingsunterkunft

Anfänglich fühlten sich einige der Geflüchteten an den Rand der Stadt gedrängt und hatten Angst angesichts der Proteste gegen das Wohnheim. Jetzt ist es ruhig geworden: Das Umfeld, so Frau Hartmann, habe generell ausgesprochen positiv reagiert. Es gebe sehr viel Unterstützung und ehrenamtliches Engagement.

Problematisch erschien uns der reglementierte Zugang zu zertifizierten Deutschkursen. Lediglich Flüchtende aus dem Irak, Iran, Syrien und Eritrea können diese belegen und sich damit eine Bleibeperspektive schaffen. Allen ist der Wunsch gemein, die Sprache zu erlernen und damit Teil dieser Gesellschaft werden zu können. In diesem Heim in Hohenschönhausen ist die Stimmung untereinander familiär geprägt und friedlich – in anderen Unterkünften könne sich das in einer explosiveren Situation entladen.

Evrim und ich haben uns für zwei Fälle persönlich eingesetzt: Eine junge Mutter mit einem behinderten Kind wartet seit sieben Monate auf einen dringend benötigten Rollstuhl; ein verzweifelter Familienvater möchte seine Familie nachholen, die im Kriegsgebiet in Syrien verharrt. Leider ist unsere Bitte um eine Ausnahmeregelung vom Auswärtigen Amt negativ beschieden worden.

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