05.11.2015

Subversiver Optimismus - oder:

Gute Nachrichten aus Dresden!

Gibt es diese überhaupt noch? Aus Dresden kommen doch hauptsächlich Schlagzeilen über demonstrierende Wutbürger. Deren montägliches massenhaftes Erscheinen auf Dresdens Straßen sorgt bei vielen Dresdnerinnen und Dresdnern für Beschämung und Ratlosigkeit. Über ein Jahr dauert dieser Spuk bereits an. Das Gegenmittel kannte schon Erich Kästner: es gibt nichts Gutes - außer man tut es. Und danach muss echt nicht lange gesucht werden.

Jetzt im kühlen November fällt es fast schon schwer, sich an die wirklich heißen Tage dieses Sommers zu erinnern. Förmlich über Nacht entstand an der Bremer Straße, bei Tagestemperaturen um die 30 Grad, eine Zeltstadt für mehr als 1.000 geflüchtete Menschen. Und da war diese schattige Parkanlage des alten Matthäusfriedhofs direkt gegenüber. Die Idee den Frauen und Kindern des Flüchtlingscamps diesen Park als Schutz und Schatten täglich für einige Stunden zu öffnen, war schnell geboren. Alles weitere entwickelte sich fast folgerichtig und mit dem nötigen subversiven Optimismus.

Nach den Planschbecken für die Kinder kamen schnell die Tische für die Erwachsenen. Dort wurden erste deutsche Wort gelernt - wie man nach Weg und Uhrzeit fragt oder sagen kann wie man heißt und woher man kommt. Bald schon reichten die Plätze an den Tischen nicht mehr aus und Lern – und Erzählgruppen saßen auch auf den Wiesen im Park. Im Sommer war das eine schnelle und praktische Lösung, aber mit dem Einzug des Herbstes musste auch ein neues Domizil für die ABC-Tische gefunden werden. Und was für ein Domizil da gefunden wurde! Anfang Oktober sind sie in den Lichthof des Albertinums umgezogen. Wenn der Lichthof wegen anderer Veranstaltungen nicht zur Verfügung steht, können die Lerngruppen Stadtrundgänge machen oder sich kostenfrei die Ausstellungen der staatlichen Kunstsammlungen ansehen.

Das Wort vom subversiven Optimismus prägte übrigens Stefan Mertenskötter, Seniorgeschäftsführer des Umweltzentrums Dresden – natürlich mit dem für ihn typischen verschmitzten Lächeln. Und wenn er sich die Entwicklung seiner Idee ansieht, wird sein Lächeln noch breiter. Inzwischen haben diese ABC-Tische Schule gemacht und sich auf andere Organisationen und andere Teile Dresdens ausgeweitet. Auch die Terminabstimmung für die freiwilligen Helferinnen und Helfer per Termin-Doodle funktioniert prächtig. Dank der Initiative zur Unterstützung geflüchtete Frauen in Dresden gibt es im Erstaufnahmelager auf der Hamburger Straße auch einen gut besuchten ABC-Tisch nur für Frauen.

Es wäre doch toll wenn sich dieses Projekt zum Exportschlager der Stadt Dresden entwickeln könnte. Damit ist dem dummen montäglichen Mummenschanz zwar noch kein Ende bereitet, aber es kämen wieder auch wirklich gute Nachrichten aus Dresden.

Und hier sind Kontaktadressen und Termin-Doodle-Listen für all jene, die auch sagen „es gibt nichts Gutes – außer man tut es“.

https://de-de.facebook.com/UmweltzentrumDresden/

http://doodle.com/poll/rc2tgsxnvpbu6yr9

http://akifra.org/abc-tische-in-der-neustadt/

Anmeldung über: neustadt.helfer@gmail.com

ABC-Tische für Frauen: https://www.facebook.com/IUGFD/

Ausdrucken | Seitenanfang

Neue Linke Mehrheiten
Corona
Wer flüchtet schon freiwillig
BAG Grundeinkommen