26.08.2015

Kein Ferienlager. Zu Besuch in der Dresdner Zeltstadt.

Zweiter Besuch in einer Erstaufnahmeeinrichtung

Im "Rathaus" der Zeltstadt

Nach meinem Besuch in Heidenau habe ich gemeinsam mit meiner Kollegin Caren Lay gestern die so genannte Zeltstadt in Dresden besucht. Diese hatte es Ende Juli in die Schlagzeilen geschafft, als Dresdner Neonazis die Helfer vom DRK beim Aufbau der Zelte tätlich angegriffen haben.

Erste Deutschkenntnisse vermitteln

Wie schon in Heidenau war ich einmal mehr beeindruckt von dem unermüdlichen Engagement der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer - aber natürlich auch dem der Mitarbeiter des DRK. Dass z.B. die Pressesprecherin eines DRK-Kreisverbandes den Schreibtisch Schreibtisch sein lässt und in der Kleiderkammer des Zeltcamps Bekleidung sortiert und ausgibt, verdient allergrößten Respekt!

Die mitgebrachte Knete wurde gleich kreativ verwurstet

Nach den Anlaufschwierigkeiten des faktisch über Nacht aus dem Boden gestampften Camps an der Bremer Straße hat sich das Leben dort weitgehend normalisiert - so man in diesem Falle davon sprechen kann.1026 Menschen, davon momentan 128 Kinder, der größte Teil aus den Kriegsgebieten des Nahen Ostens, leben hier und warten auf den Abschluss der Aufnahmeprozeduren. Dass sie nach wie vor zwischen der Zentralen Erstaufnahmestelle in Chemnitz und ihrer Unterkunft in Dresden pendeln müssen, gehört schnellstens geändert, da es die Zeit bis zum Wechsel in angemessene Unterkünfte unnötig verlängert.

Caren Lay im Kinderzelt

Trotz der räumlichen Enge empfand ich auch hier keinerlei Stress, wenngleich es logischer Weise auch hin und wieder zu Missverständnissen und Kritik seitens der Bewohner kommt. Man muss sich vor Augen halten, dass sich das Leben von über tausend Menschen auf einer Fläche von vielleicht anderthalb Fußballfeldern abspielt.

Im Gespräch mit den Bewohnern

Dies haben auch die Leute des Dresdner Umweltzentrums erkannt und haben gegenüber des Camps, auf der Fläche ehemaliger Parkanlagen einer Kirchgemeinde so etwas wie ein kleines Erholungsgebiet organisiert. Im Schatten der Bäume vermitteln sie erste Kenntnisse der deutschen Sprache, haben einen kleinen Spielplatz eingerichtet, Planschbecken aufgebaut und ermöglichen damit den Flüchtlingen, der räumlichen Enge des Camps tagsüber zu entfliehen. Ein wunderbares Projekt, das von rein ehrenamtlichem Engagement lebt, das mir größten Respekt abnötigt!

Ich hoffe trotzdem, dass es bald gelingen möge, die Menschen aus dem Provisorium des Zeltcamps in feste Unterkünfte zu bringen. Der Herbst steht vor der Tür und mit ihm neue Probleme. Vielen Dank an die die freundlichen Mitarbeiter des DRK und der Landesdirektion Sachsen, die mir einen Einblick in den Alltag der Flüchtlinge ermöglicht haben. Ich habe aufmerksam zugehört, mir viele Notizen gemacht und werde meinen Teil als Politikerin tun, um sie zu unterstützen.

Was mir noch wichtig ist: Fast alle bei meinen Besuchen angetroffenen Helferinnen und Helfer, ob vom DRK, dem THW oder dem Dresdner Umweltzentrum, sind Sächsinnen und Sachsen. Es gibt keinen Anlass, brutale Ausschreitungen und fremdenfeindliche Polemik an der sächsischen Herkunft festzumachen. Dummheit hat keine Heimat, sondern Gründe!

Ausdrucken | Seitenanfang

Neue Linke Mehrheiten
Corona
Wer flüchtet schon freiwillig
Linksjugend Sachsen