16.06.2015

Grexit und was dann?

Lesetipp: Beitrag in der Le Monde diplomatique erläutert, warum der Grexit keine Zukunftsperspektive bietet – außer für Spekulanten

Niels Kadritzke beschreibt in der Ausgabe der Le Monde diplomatique vom Juni 2015 sehr anschaulich, warum der Grexit keine Lösung bietet. Weder für Griechenland, noch für Europa. Kadritzke weißt zurecht darauf hin, dass Griechenland 48 Prozent seiner Lebensmittel und 82 seiner Energie importiere und deshalb auch nicht mit dem gerne angeführten Beispiel Argentinien verglichen werden kann. Er erläutert, warum ein Grexit zu Inflation und einer Schwächung der kleinen Leute führe: "Auch unentbehrliche Produkte wie Arzneimittel oder industrielle Ersatzteile würden sich laufend verteuern. Statt die Zahlungsbilanz durch Exporte zu sanieren, würden steigende Importpreise das Defizit nur noch vertiefen. Bei der hohen Importquote Griechenlands droht zudem eine Hyperinflation und damit eine Minderung der Realeinkommen, eine Schwächung der Binnenwirtschaft und steigende Arbeitslosenzahlen. Inflation geht bekanntlich stets zu Lasten der kleinen Leute."

Auch das Schuldenproblem würde, so Kadritzke, durch einen Grexit nicht gelöst. Im Gegenteil: "Eine inflationäre Drachme würde alle in Euro notierten Zahlungsverpflichtungen massiv aufwerten, also nicht nur die Staatsschuld, sondern auch Schulden von Unternehmen gegenüber ausländischen Lieferanten. Die Folge wäre die endgültige Insolvenz nicht nur des Staates, sondern auch lebensfähiger Betriebe – und damit weitere Arbeitsplatzverluste." Letztlich würde ein Grexit nur den vermögenden Griechen und Griechinnen helfen, die ihr Vermögen im europäischen Ausland gesichert hätten und im Falle einer durch den Grexit ausgelösten Inflation, die Vermögenswerte unter Wert erwerben könnten.

Der Artikel ist vollständig auf der Website von Le Monde diplomatique abrufbar:
http://monde-diplomatique.de/artikel/!5202308

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