10.03.2014

Von Brücken und Bänken

Treffen mit Stadtsichten e.V.

Öffentliche Sitzbänke sehe ich seit letzter Woche mit anderen Augen. Am Freitag habe ich mich mit Uwe Tobias und Sandra Rasch vom Verein Stadtsichten e.V. getroffen. Ehemals obdachlose Menschen bieten bei Stadtsichten Führungen an und zeigen Orte, an denen sie früher gelebt haben. Sie schaffen damit einen Raum für Begegnung und Austausch und tragen dazu bei, die Perspektive auf Wohnungs- und Obdachlosigkeit zu verändern. Schätzungen zu Folge sind in Deutschland zwischen 250.000 und 300.000 Menschen ohne Wohnung, mehr als 20.000 von ihnen leben auf der Straße. Wenn es um ihre Belange geht, kommen sie selten zu Wort. Deswegen ging es neben den politischen Fragen bei der Führung auch um die individuellen Geschichten obdachloser Menschen. Denn neben den vielen Problemen, die Obdachlosigkeit mit sich bringen, zeigt sich bei den Führungen auch, wie viel Kreativität und Geschicklichkeit viele von Ihnen aufbringen, um über die Runden zu kommen und sich den öffentlichen Raum anzueignen.

Bei der Tour mit Uwe Tobias, der in den 1990er fast ein Jahrzehnt auf der Straße gelebt hat, wurde auch deutlich wie sich dieser öffentliche Raum in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Viele Orten an denen er früher schlief, existieren nicht mehr, sind videoüberwacht, privatisiert oder werden durch Wachschützer kontrolliert. Besonders lehrreich für mich: Ein Augenmerk von Herrn Tobias lag auf der Beschreibung von Bänken. Wenn man verstanden hat, was eine Bank zum Schlafen geeignet macht, fallen die vielen Bänke auf, die extra unbequem gebaut sind, besonders auf.

Wohnungs- und Obdachlosigkeit wird auch in Zukunft ein wichtiges Thema der parlamentarischen Arbeit der LINKSFRAKTION sein. Das Gespräch mit Stadtsichten war daher für mich und meine MitarbeiterInnen eine besondere Bereicherung.

Ausdrucken | Seitenanfang

Wer flchtet schon freiwillig?
BAG Grundeinkommen