08.03.2014

Sonderpreis der Partei DIE LINKE an Inge Hannemann

Laudatio

- Es gilt das gesprochene Wort -

Verehrte Gäste, liebe Freunde und Freundinnen,

es gehört Mut dazu, Nein zu sagen, zu Arbeitsverhältnissen und zu gesellschaftlichen Verhältnissen, die Menschen an der Entfaltung ihrer Fähigkeiten hindern, die Menschen demütigen und ausgrenzen.

Und es gehört Mut dazu, Ja zu sagen zum Engagement für eine Welt, in der alle das Recht haben, in Würde zu leben und zu arbeiten. Diesen Mut besitzt Inge Hannemann.

Inge Hannemann ist Bloggerin, Hartz-IV-Kritikerin und seit April 2013 von der Arbeit als Mitarbeiterin des Jobcenters im Hamburger Bezirk Altona freigestellt.

Bundesweit bekannt wurde Inge Hannemann, weil sie öffentlich den Umgang mit Hartz-IV-Beziehenden und das skandalöse und repressive Hartz-IV-System angeprangert hatte.

Sie riskierte damit ihren Job, ihre Existenzsicherung. Sie riskierte Unterstellungen und Angriffe seitens derjenigen, die nicht wollen, dass Wahrheiten und Fakten über Hartz IV an die Öffentlichkeit kommen.

Inge Hannemann muss sich noch heute vor Gericht gegen die Abschiebung aus ihrem Beruf wehren.

Inge Hannemann gewann aber auch. Sie gewann neue politische Freundinnen und Freunde. Sie erfuhr Solidarität von denjenigen, denen sie die Solidarität auf der anderen Seite des Bürotisches nicht verweigerte. Tagtäglich erreichen sie viele Emails, in denen Hartz-IV-Betroffene über die Zustände in den Jobcentern klagen. Zustände, die durch das Hartz-IV-Gesetz ermöglicht werden.

Sie erreichen aber auch Einladungen zu Demonstrationen, zu Veranstaltungen, um über die notwendige Veränderungen in der Sozialpolitik, in der Gesellschaft zu diskutieren, im Kleinen wie im Großen.

Diejenigen, die sie angreifen, unterstellen: Durch ihre öffentlichen Berichte würde Hannemann Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter beleidigen, herabwürdigen und sogar gefährden. Wir jedoch wissen, es ist das Hartz-IV-System, das Millionen Menschen beleidigt, herabwürdigt, existenziell und psychisch gefährdet.

Wir brauchen viele, die den Mut wie die Gewerkschafterin Inge Hannemann haben.

Dazu brauchen wir auch einen Schutz für Menschen vor Anfeindungen und Verfolgungen, die alltägliche und gesetzliche Repressionen gegen Menschen anprangern, die öffentlich und laut und deutlich Nein zu diesen Repressionen sagen.

Wir brauchen viele, die wie Inge Hannemann, sich mit Gleichgesinnten zusammentun, um für die Abschaffung der grundrechtswidrigen Sanktionen bei Hartz IV und für eine menschenwürdige Sicherung der Existenz und gesellschaftlichen Teilhabe streiten, die auch mögliche Perspektiven wie das bedingungslose Grundeinkommen aufzeigen und diskutieren.

Ich möchte heute den Sonderpreis der Partei DIE LINKE an Inge Hannemann für ihr politisches und soziales Engagement überreichen.

Auch ganz persönlich möchte ich Inge Hannemann und den vielen, vielen Menschen danken, die tagtäglich dafür streiten, dass die Gesellschaft eine bessere wird, die sich nicht unterkriegen lassen und die mit ihrem kreativen Engagement das Salz der Erde sind.

Liebe Inge, alles Gute für Dich, Deine Familie, Deine Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

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