22.11.2012

Bitte nehmen Sie Platz

Eine neue kulturelle Bewegung

Aktuell besuchen nur 8 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Deutschlands regelmäßig Kulturveranstaltungen. Dem gegenüber stehen jedoch 42 Prozent der Bevölkerung, die zwar gern die Angebote nutzen wollen, sich aber eine Teilnahme an Kulturveranstaltungen nicht leisten können. Jene zu erreichen, deren Geldbeuel für Theater, Konzert oder Sportveranstaltung zu klein ist, und ihnen Kultur zu ermöglichen, ist Ziel dieser Initiativen. Gleichzeitig sorgt die Art und Weise der aktiven Kulturvermittlung dafür, dass Veranstaltungen besser besucht sind und es bietet sich ein spannendes Betätigungsfeld für Menschen, die sich gern ehrenamtlich engagieren möchten.

Auch in Dresden gibt es seit Mitte Oktober eine Kulturloge. Die Idee dahinter habe ich ganz praktisch in Berlin kennenlernen dürfen. Und ich fand, dass einer Kulturstadt wie Dresden solch ein Projekt gut zu Gesicht stehen würde. Um in Erfahrung zu bringen, ob dieses Konzept in meiner Heimatstadt aber überhaupt auf Interesse stößt, habe ich im Juni 2011 Kulturschaffende sowie Vertreterinnen und Vertreter verschiedener sozialer Einrichtungen zu einem runden Tisch „Eine Kulturloge für Dresden“ ins Umweltzentrum eingeladen. Unterstützt wurde ich dabei von Angela Meyenburg, der Gründerin der Berliner Kulturloge, welche das Projekt plastisch und vor allem mitreißend schilderte. Den besonderen Charme der Kulturloge machen vor allem folgende Aspekte aus. Erstens: die Plätze werden persönlich am Telefon vermittelt und auch einmal ganz lebenspraktische Fragen beantwortet. Zweitens: jeder Gast erhält nach Möglichkeit zwei Karten, denn wer geht schon gerne alleine aus? Am Ende der Veranstaltung waren sich alle einig – Dresden braucht auch eine Kulturloge!

Mittlerweile ist das erste Stück des Weges geschafft. Am 17.Oktober 2012 ging die Kulturloge Dresden mit einer durch den musikalischen Botschafter der Jazztage Dresden umrahmten Pressekonferenz an den Start. Und schon drei Tage später konnten die ersten Gäste auf KulturLogen-Einladung ins Theater gehen. Dieser erfreuliche Start war das Ergebnis von mehr als einem Jahr intensiver Arbeit. Vier Organisationen haben dazu ihre Kompetenzen gebündelt und die Umsetzung dieses Projektes übernommen. Die Bürgerstiftung Dresden, das Kulturbüro Dresden, das Umweltzentrum und der WIR e.V. bilden den Trägerkreis, der das Projekt „Kulturloge Dresden“ belebt, befördert und auch weiterhin begleiten wird .

Vom Konzept bis zum Internetauftritt, vom Workshop mit den Kulturpartnern bis zum Einführungskurs in das Datenbanksystem - viel Vorarbeit war zu leisten. Parallel wurde die Werbetrommel gerührt und das Projekt auf den verschiedensten Ebenen vorgestellt. Das öffnete Ohren und Herzen, so dass momentan mehr freie Plätze in Kultur- und Sportveranstaltungen zu vergeben sind als die Dresdner Kulturloge Gäste hat. Doch das wird sich sicher schnell ändern, denn gute Ideen sind bekanntlich ansteckend.

Diese sympathische Art der Kulturvermittlung gibt es aber nicht nur in Dresden. So ist auch in Leipzig vor wenigen Wochen eine Kulturloge an den Start gegangen. Und in Chemnitz gibt es ebenfalls eine Gruppe, die am Aufbau eines solchen Projektes arbeitet. Kürzlich traf sich auch die bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Kulturlogen erneut zum Erfahrungsaustausch. Bei diesem 3. großen Treffen im Oktober in Leipzig wurden auch andere gute Ideen für niederschwelligen Kulturzugang vorgestellt. Beispielsweise in Stuttgart heißt das Projekt „Kultur für Alle“ und funktioniert etwas anders als die Kulturlogen. Die kostenlosen Kulturangebote sind dort an den Sozialausweis, die sogenannte Bonuscard +Kultur, gekoppelt. Diesen Ausweis bekommen alle von der Stadt erfassten berechtigten Personen automatisch zugeschickt. Das ist ebenfalls eine gute Idee – auch für Dresden.

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