07.09.2012

Politik und Gewalt

Besuch im Militärhistorischen Museum Dresden

Ein wenig gespannt war ich schon, obwohl ich vorab nur Gutes über das im vorigen Jahr neueröffnete Militärhistorische Museum der Bundeswehr gehört hatte. Zwischen den beiden Weltfriedenstagen am 1. (Deutschland) und 21. September (UNO) habe ich das Museum nun besucht und war denn auch wirklich beeindruckt. Über zwei Stunden dauerte die Führung durch Oberst Dr. Rogg, Direktor und Dr. Gorch Pieken, wissenschaftlicher Direktor des Museums - und doch konnte vieles nur gestreift werden.

Mit Oberst Dr. Rogg

Zusammenfassend kann man sagen: Eine Waffen- und Traditionsschau ist das Museum nicht! Dies ist vielmehr ein Museum gegen Krieg und Gewalt. Dabei hat man bei der Konzeption fast durchweg auf's Ungewöhnliche gesetzt, spannt Bogen zwischen Exponaten oder Ereignissen, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben, provoziert, erschreckt, schüchtert ein.

Dr. Gorch Pieken und Oberst Dr. Rogg

Bei meinen beiden Begleitern hatte ich keine Sekunde Zweifel daran, dass sie es als ihre Mission begreifen, die Schrecken des Krieges darzustellen, aber auch den Einfluss des Militärs in fast alle kulturellen Bereiche der Gesellschaft darzustellen. So steht eine Mode-Kreation von Vivienne Westwood mit glitzerndem Stahlhelm ebenso zur Schau, wie Wachsabdrücke zerfetzter Soldatengesichter aus dem ersten Weltkrieg.

Erschreckt, schüchtert ein...

Letztlich jedoch bleibt bei mir die Frage: Selbst wenn ich Soldaten wie Generälen beste Absichten und Friedenswillen unterstelle - wie können sie einer Politik vertrauen, die sie immer wieder - bis heute - in Kriege schickt, über deren Gründe man die Menschen - und damit auch sie - nachweislich belogen hat und belügt?

Dennoch - eine Empfehlung ist das Museum allemal und wer einen Ausflug nach Dresden plant, sollte sich die Gelegenheit eines Besuches nicht entgehen lassen. Allerdings muss man sich einen kompletten Tag dafür freihalten.

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