18.10.2011

Brücke zu Kunst und Kultur

Die Idee der Kulturloge nach Sachsen holen


Da ist das ältere Ehepaar, dessen schmale Rente für den geliebten Opernbesuch nicht mehr reicht. Da sind die jungen Eltern, deren Haushaltskasse den Zirkusbesuch zu viert nicht hergibt. Es sind aber auch Menschen, die zuletzt als Schüler im Theater waren. Danach wuchs die Hemmschwelle, ein Schauspielhaus überhaupt zu betreten. Doch da der Mensch ja bekanntlich nicht vom Brot alleine lebt, verbreitet sich gerade republikweit eine Idee, die diesen Menschen wieder eine Brücke zu Kunst und Kultur bauen kann.

Die Idee nennt sich „KULTURLOGE“ und ist verblüffend einfach: Kulturelle Einrichtungen geben Eintrittskarten für nicht ausverkaufte Veranstaltungen kurzfristig kostenlos ab. Der Effekt: Einkommensarme Menschen kommen einerseits in den Genuss von Kultur und anderseits müssen Künstler nicht vor halbleeren Häusern spielen. Koordiniert wird das ganze von Kulturlogen. Das sind Zusammenschlüsse von aktiven Bürgerinnen und Bürgern mit Theatern, Bibliotheken, Musik- und Sportveranstaltern.

Um diese Idee auch nach Sachsen zu holen hatte ich gemeinsam mit Anne-Kathrin Klepsch Mitte Juni verschiedene VertreterInnen von Kultureinrichtungen und sozialen Initiativen zu einem Workshop eingeladen. Ziel der Veranstaltung war es, Partnerinnen und Partner zu finden, die ebenso für dieses Projekt richtig Feuer fangen. Und wer kann besser dafür sorgen, dass der Funke überspringt, als jemand der selbst dafür brennt. Mit der Begründerin der Berliner Kulturloge, der Kulturjournalistin Angela Meyenburg, hat diese Idee eine mitreißende Botschafterin.

Dieses Feuer ist auch notwendig, um das Projekt, ist es erst einmal gestartet, auch zu bewältigen. Das Beispiel Berlin zeigt, dass Angebote und Nachfrage in kürzester Zeit förmlich explodierten. Innerhalb von 14 Monaten wurden etwa 5.000 Gäste in eine elektronische Datei aufgenommen. In dieser Datei ist vermerkt, für welche Art Kultur sich die potentiellen BesucherInnen besonders interessieren. Und das Angebot ist vielfältig. Pro Monat werden inzwischen ca. 2.000 Plätze vermittelt. Einzige Voraussetzung, um als Gast in die Datei der Kulturloge aufgenommen zu werden ist, sich bei einer der Vermittler schriftlich anzumelden. Bei dieser Anmeldung ist nachzuweisen, dass man nicht mehr als 900 Euro im Monat zur Verfügung hat. Wie eine wissenschaftliche Evaluierung der Berliner Loge zeigt, gelang es dem Projekt neue Kreise für Kultur zu begeistern. So hatte die Hälfte der Kulturloge-Gäste bisher ein Theater noch nie oder maximal einmal von innen gesehen. Aber die begeisternde Ansprache der Ehrenamtlichen aus dem Team um Angela Meyenburg hat sie letztlich überzeugt.

Ohne ehrenamtliches Engagement und „die Freude anderen Freude zu schenken“, wie Angela Meyenburg das ausdrückte, ist diese Aufgabe kaum zu stemmen. Denn die wirkliche Brücke zu den Gästen der Kulturloge ist das persönliche Gespräch. Sobald ein Kulturveranstalter freie Plätze an die Kulturloge gibt, heißt es für die ehrenamtlichen VermittlerInnen ran an die Telefone. Jeder Theater- oder Konzertbesuch wird persönlich vermittelt. Und das Besondere: Jeder Gast erhält 2 Karten, denn wer geht schon gern alleine aus. Diese zweite Karte ist auch an keine Einkommensgrenze gebunden. Man kann also beispielsweise auch mal seine gutbetuchte Nachbarin einladen und sich damit fürs Babysitten bedanken.

Fazit der Veranstaltung: tolle Idee – das hätten wir gern auch für Dresden! Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von Kultur- und Sozialeinrichtungen waren sich da einig. Jetzt geht es „nur“ noch darum das Team zu finden, welches dem Berliner Beispiel folgen möchte.

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