07.04.2011

Schwarz-Gelber Verfolgungswahn

Die bürgerliche Extremismus-Hysterie hat sich in Sachsen ein neues Opfer gesucht

Schwer gebeutelt ist gegenwärtig der Dresdner Jugendverein „Roter Baum“ e.V. in Dresden. Dabei sind die durch den rabiaten und unbegründeten Polizeieinsatz am 19. Februar 2011 im Jugendfreizeitzentrum des Roten Baums angerichteten Schäden das kleinere Übel. Schlimmer ist die Verunsicherung der Eltern, ausgelöst durch eine Hetzkampagne der Dresdner CDU und FDP-Fraktion. Diese hatten im Stadtrat beantragt, die Förderung des Vereins unter Vorbehalt stellen zu lassen. Dies gelang zwar nicht, da der amtierende Oberbürgermeister den Antrag als rechtswidrig ablehnte: Schließlich wird ja nach Aussage der Staatsanwaltschaft gar nicht gegen den Verein ermittelt. Allerdings wies nun die Landesdirektion Dresden an, den Antrag dennoch zu behandeln.

Dies bewirkte zweierlei: Die Förderung ALLER Vereine der freien Jugendhilfe in Dresden ist so lange blockiert, bis der Antrag behandelt wurde. Zum anderen ging natürlich ein Rauschen durch den Blätterwald und verunsicherte die Eltern, deren Kinder von Projekten des Vereins betreut werden noch mehr.

Ergebnis: Abmeldungen von Ferienfreizeiten – und dies schlägt erheblich ins Kontor, denn der Verein ist vertraglich natürlich mit Objektbetreibern im In- und Ausland gebunden.
Sinkt die Auslastung der Ferienfreizeiten, müssten einzelne Veranstaltungen abgesagt werden, was nicht nur die noch angemeldeten Kindern und Jugendlichen um ihr Ferienlager bringt, sondern für den Verein auch hohe Stornokosten bedeutet.

Dabei hatte selbst der MDR in einem Fernsehbeitrag vor einem Jahr die Ferienlager des Roten Baums noch als vorbildlich und sicher gelobt. Aber offensichtlich zählt die nunmehr seit 18 Jahren währende, vorbildliche Projektarbeit des humanistisch orientierten Vereins nichts mehr, wenn es gilt, die Wahnvorstellung von der linksextremistischen Bedrohung unter die Leute zu bringen.

„Die schönste Form der Solidarität – Ferienfahrten für Alle!“ ist deshalb das Motto des Vereins, bei dem ich selbst als Teilnehmerin und Betreuerin im Ferienlager war und wo ich meine wichtigsten Schritte ins Erwachsenenleben gemacht habe. Wer Kinder oder Enkel hat, dem kann ich die Ferienlager beim Roten Baum nur wärmstens empfehlen.

Aber auch über jede noch so kleine Spende freuen sich die Dresdner Ferienmacher und stellen zugleich klar: „Unser demokratisches und gewaltfreies Engagement gegen Nazis geht weiter, in all unseren Projekten. Nicht nur alljährlich im Februar, sondern jeden Tag im Jahr. Wir lassen uns nicht mundtot machen!“

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