15.02.2011

Wir hätten bessere Ausgangslage haben können

Interview in der Thüringer Allgemeinen

Frau Kipping, der Wahlkampf hat längst begonnen und die Linke streitet über ihre Parteispitze. Wann geht es bei Ihnen wieder um Inhalte?

Jetzt, im Moment. Ich bin mit vielen Parteikollegen in Dresden, um einen Nazi-Aufmarsch zu blockieren. Wir machen zudem gegen Castor-Transporte mobil, neben vielen anderen Aktionen. Das beschäftigt uns zu gut 90 Prozent. Die Debatte über Innereien macht weniger als 10 Prozent aus.

Trotzdem verlieren Sie damit Zeit und Wählerstimmen.

Wir hätten sicherlich eine bessere Ausgangslage für die Wahlen haben können. Aber jetzt legen wir richtig los. Wir wollen auch in die Parlamente von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einziehen, in Sachsen-Anhalt stärkste Partei werden und mit der SPD regieren wenn die den Politikwechsel will und sich endlich von der CDU löst. Die Linke wird jedenfalls den Wahlkampf rocken . . .

. . . mit einem heftig umstrittenen Führungsduo?

Gesine Lötzsch und Klaus Ernst sind bis Mai 2012 gewählt. Und ich werde bis dahin keine neue Personaldebatte anstoßen.

Der Thüringer Fraktionschef Bodo Ramelow hat es getan und eine Neuwahl der Spitze öffentlich thematisiert.

Das ist seine Sache. Ich hoffe, dass wir auf dem Erfurter Parteitag im Oktober nicht über Personal, sondern über Sachthemen streiten. Mir geht es beispielsweise um ein Grundeinkommen und eine radikale Arbeitszeitverkürzung auf eine 20-Stunden-Woche. Diese Themen sollten Eingang in unser Programm finden.

Dabei werden die Namen Kipping und Ramelow immer wieder genannt, wenn es um die Nachfolge von Lötzsch und Ernst geht. Stünden Sie für den Posten denn bereit?

Für mich stellt sich diese Frage nicht. Die beste Methode, jemanden aus dem Ring zu werfen, besteht doch darin, seinen Namen besonders früh zu nennen. Insofern kann ich die jetzigen Spekulationen um meine Person überhaupt nicht ernst nehmen.

Alexander Del Regno / 14.02.11 / TA

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