29.01.2011

Es ist nicht leicht ein Bahnfan zu sein

dabei könnte Zug fahren so schön sein

Ich werbe wirklich gern für umweltgerechtes Verhalten. (Da kennt der Öko in mir kaum eine Grenze.) Aber die DB AG macht es einem nicht immer leicht, eine überzeugte und überzeugende Bahnfahrerin zu sein. Warum zum Beispiel muss die Bahn ständig die Preise erhöhen? Wie bitte schön soll ich da noch einem Menschen mit einem durchschnittlichen Einkommen überreden, dass Auto auch mal stehen zu lassen? Und warum ist es nicht möglich, endlich zwischen einer Landeshauptstadt wie Dresden und der Bundeshauptstadt einen Einstundentakt einzurichten? Komischerweise liegen nämlich die Termine immer ungünstig zu den Ankunftszeiten beim Zweistundentakt.

Besonders ärgerlich ist, dass die DB AG auch offensichtlich in kleinen Dingen nichts auslässt, um die Fahrgäste zu ärgern. Neulich stieß ich auf eine besonders bezeichnende Absurdität: Vor dem Berliner Hauptbahnhof stehen wie an fast allen Bahnhöfen sehr viele Fahrräder. Und das kommt nicht von ungefähr: Bahn und Rad bilden eine hervorragende Kombi. Die Bahn ist schnell auf langen Strecken. Für die kurzen Strecken vom Bahnhof zum Ziel bzw. Ausgangspunkt ist das flexible Rad wiederum hervorragend geeignet. Und so ganz nebenbei kommt man noch zu sportlicher Betätigung. Doch anstatt diese Kombination durch überdachte Radabstellmöglichkeiten oder durch günstige Radmitnahmemöglichkeiten in Zügen zu befördern, hat die DB AG nun offensichtlich einen Feldzug gegen die Räder gestartet. So wurden alle Räder im Bahnhofsumfeld in Berlin mit einer Schriftbanderolle mit folgender Aufschrift versehen:
„Sehr geehrte Bahnkundin, sehr geehrter Bahnkunde, Sie haben Ihr Fahrrad an einem dafür nicht vorgesehenen Ort abgestellt. Es handelt sich dabei um eine Besitzstörung im Sinne des $ 858 Abs. 1 BGB. Wir bitten Sie Ihr Fahrrad innerhalb von vier Wochen zu entfernen, anderenfalls sehen wir uns gezwungen Ihr Fahrrad auf Ihre Kosten zu entfernen und als Fundsache zu behandeln. Mit freundlichen Grüßen Ihr Bahnhofsmanagement.“

Und als ob dieser Schriftsatz nicht schon irritierend genug wäre, war der gedruckte Text, in dem einem vier Wochen zum Rad beräumen eingeräumt wurden (nicht dass ich die gebraucht hätte) noch durch einen handschriftlichen Hinweis ergänzt: „Fahrrad innerhalb einer Woche entfernen!“ Solchermaßen gemaßregelt machte ich mich am nächsten Tag am Bahnhof auf die Suche nach den offiziellen Radständern. Als ich diese fand, musste ich jedoch feststellen, dass sie bereits alle belegt waren - und das obwohl es kurz vor sieben Uhr also noch sehr früh am Tage war. Schließlich fand ich noch einen freien Platz am offiziellen Radständer, an dem ich mein Rad abstellen konnte, ohne zur „Besitzstörerin“ zu werden. Doch was ist zu tun, wenn ich mal später mit dem Zug fahren will und an den Radständern kein freier Platz mehr zu finden ist?

In solchen Situationen beneide ich die überzeugten AutofahrerInnen in meinem Freundeskreis. Die können in solchen Situationen immer bedenkenlos über die DB AG herziehen und sich vornehmen, das nächste Mal wieder das Auto zu nehmen. Als überzeugter Bahnfan hat man es halt nicht leicht mit der DB AG.

Dabei könnte es so schön sein, mit der Bahn unterwegs zu sein. Die Zugfahrt bietet endlich mal Zeit zum Lesen. Und wenn einem das zu langweilig wird, macht man einen kleinen Spaziergang durch den Zug und trifft recht oft bekannte Gesichter. Die Bahn schafft eben im Gegenteil zum Motorisierten Individualverkehr öffentliche Räume. Ganz zu schweigen von dem guten ökologischen Gewissen. Schließlich ist die Ökobilanz der Bahn deutlich besser als die des Autos. Und während ich diesen Artikel auf meinem Laptop im Zug schreibe, genieße ich immer mal wieder den schönen Blick auf die Landschaft, die draußen vorbeizieht. Wie gesagt: es könnte so schön sein!

Schlagwörter

Ausdrucken | Seitenanfang

Wer flchtet schon freiwillig?
Blockupy