04.01.2011

Operettenstadl am Hindukusch...

...und Ausnahmezustand im Postfach

Gerade 5 Minuten dauerte mein Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Was diese dann zu berichten hatte, ließ die Zugriffe auf meine Homepage um 300% ansteigen - und das am Heiligabend! Was war geschehen?

Die zahlmäßige und emotionale Resonanz auf meine Äußerungen in einem eher kleineren Artikel der Süddeutschen Zeitung hat mich selbst überrascht. Ich hatte mich keineswegs vordergründig mit dem Thema "Adel in Deutschland" beschäftigt. Vielmehr ist die Süddeutsche Zeitung an mich herangetreten, um meine Meinung zur Aussage des Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck zu erfahren, welcher öffentlich den Eindruck erweckt hatte, dass Werte und Maßstäbe adliger Familien höher angesiedelt wären, als jene des Bürgertums. Zu dieser Aussage und ihrer Kompatibilität mit Auftreten und Stil des Verteidigungsministers zu Guttenberg habe ich der SZ also ein etwa fünfminütiges Telefoninterview gegeben. So viel zur Entstehung der ganzen Sache.

Nun zum Thema. Mir geht es in der Hauptsache nicht um Namen und Titel, sondern darum, was medial darüber transportiert wird. Wenn der adlige Feldherr Karl-Theodor - in seinem Gefolge die Burgfrau Stephanie und den Zeremonienmeister Johannes B. Kerner - zur Christmette am Hindukusch vom Himmel herabsteigt, um in Bild und Ton die ebenso tiefe wie nicht vorhandene Verbundenheit des deutschen Volkes mit seinen tapferen Knappen im Felde herbei zu schwadronieren, finde ich das einerseits ärgerlich - was jedoch das geringere Übel ist - und zum anderen vermute ich, dass die ganze Choose System hat. Eine solche Schmierenkomödie ist eben nicht NUR eine intellektuelle Beleidigung. Wenn der Verdruss über das Verknöchern der demokratischen Institutionen via GALA, BUNTE und Privatfernsehen in eine Sehnsucht nach anheimelnder Adelsromantik transformiert wird, halte ich als überzeugte Demokratin, zumal als Linke, mit meiner Meinung eben nicht hinter dem Berg. Ich will keinen Rückfall, ja noch nicht einmal eine Besinnung auf vordemokratische Traditionen.

Im Übrigen ist es kein Geheimnis, dass von den europäischen Adelsverbindungen und deren Besitztümern eine enorme wirtschaftliche, finanzielle und damit letztendlich auch politische Macht ausgeht, welche durch das adlige Familiensystem in hohem Grade konzentriert und auch in dieser Konzentration erhalten wird. Nein - durch das Abschaffen der adligen Namen wird man dies kaum beseitigen können. Aber man sollte m.E. alles unterlassen, was dieser unguten Machtkonzentration einen Heiligenschein oder auch nur eine emotional begründete, gesellschaftliche Höherwertigkeit verleiht. Richtig ist, dass Adelstitel an sich überhaupt nichts über die charakterlichen Qualitäten eines Menschen aussagen. Genau deshalb benötigt man sie auch nicht.

Zum Schluss vielleicht noch der Hinweis, dass ich - neben Kritik - sehr viele positive Zuschriften erhalten habe - einige darunter auch "aus bestem Hause".

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