21.08.2010

Ode an den Urlaub


Zu dem Vorstoß des Unternehmerverbandes, die einem Beschäftigten zustehende Urlaubszeit auf vier Wochen zu reduzieren, erklärt Katja Kipping, stellvertretende Vorsitzende der LINKEN:

Wer solche Vorschläge unterbreitet ist ganz offensichtlich urlaubsreif oder er möchte durch die Hintertür eine weitere Gehaltskürzung durchsetzen. Dieser Einschnitt hätte zur Folge, dass ein Beschäftigter künftig länger für das gleiche Geld arbeiten muss, was einer Kürzung des Stundenlohnes gleichkommt.

Statt mit solchen Tricks schon wieder die Beschäftigten zur Kasse zu bitten, sollte der Autor dieser wahnwitzigen Idee einmal in sich gehen und über die enorme gesellschaftliche Bedeutung des Urlaubs nachdenken. Eine Ode an den Urlaub ist mehr als angebracht. Denn: Die Urlaubszeit ist eine wichtige Zeit für Familien. Hier haben Eltern und Kinder bzw. Partner Zeit für einander, Zeit für Beziehungsarbeit, für gedanklichen Austausch, der im stressigen Alltag nur zu schnell zu kurz kommt. In einer Gesellschaft, in der stressbedingte Erkrankungen zunehmen, ist die Erholung im Urlaub ein wichtiger Beitrag zur Prävention, der die Krankenkassen entlastet. Außerdem bedeutet eine Verkürzung der Urlaubzeit finanzielle Einbußen für die Tourismusbranche, was wiederum Arbeitsplätze kosten würde.

Letztlich handelt es sich bei diesem Vorstoß des Unternehmerverbandes um eine Maßnahme zur Verlängerung der Arbeitszeit. Und das ist volkswirtschaftlich kontraproduktiv. Der Stand der Produktivkraftentwicklung ermöglicht, dass wir alle deutlich weniger arbeiten müssen. Die notwendige Erwerbsarbeit ist nur ungerecht verteilt. Das Gebot der Stunde lautet also nicht Arbeitszeitverlängerung, sondern die vorhandene Erwerbsarbeit gerechter zu verteilen durch Arbeitszeitverkürzung. Längere Urlaube, kürzere Wochenarbeitszeiten sowie die Möglichkeit zu Sabbatjahren, ein früheres Renteneintrittsalter ohne Abschläge – all das sind mögliche Schritte zur Arbeitszeitverkürzung, die wir endlich in Angriff nehmen sollten.

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