28.12.2021

Zur Triage-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts

Beim Lesen des Urteils des heutigen Bundesverfassungsgerichts musste ich an einen Satz des Behindertenrechtsaktivisten Matthias Vernaldi denken, der im Feature »Krüppel mit Flügeln« sagte: »Ich hab eher Angst, so war das letztes Mal, als eben die Rettungssanitäter dann sich dran machten, mich am Leben zu halten, da sagte der eine, der Notarzt, zu meinen Assistenten: wollen wir ihn nicht einfach nicht noch weiter quälen, sondern ihn in Ruhe sterben lassen.«[1]
Das war lange vor Corona und der Gefahr von Triage-Situationen. Dass solche nicht entstehen, ist unser aller Aufgabe. Unabhängig davon begrüße ich die Klarstellung des Bundesverfassungsgerichts, dass Menschen mit Behinderung vom Gesetzgeber aktiv vor Diskriminierung und vor »stereotype(r) Wahrnehmung von Behinderungen« und »vorschnellen Schlüssen auf eine kürzere Lebensdauer« durch gesetzliche Regelungen geschützt werden müssen. Recht auf Leben und Gesundheit steht allen Menschen gleichermaßen zu. Kein Mensch mit Behinderung soll Angst davor haben müssen, nicht behandelt zu werden. 

 

 

[1] Der Text ist nur noch im Webcache verfügbar.  

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