12.03.2021

Lichtspielhäuser in schwieriger Lage

Treffen mit Dresdner Kinobetreibern

Wie geht es eigentlich weiter, nach der Pandemie? Was wird aus dem, was wir bislang als gesellschaftliches Leben kannten? Wird es lebendige Innenstädte noch geben? Theater, Klubs, Restaurants, Kneipen, Kinos... Was wird noch da sein? Was von dem, was wir schätzten, besuchten und für unverzichtbar hielten wird ökonomisch überlebt haben und was von dem, was überlebt hat, wird dies auch über längere Zeit im „Danach“ noch schaffen?

Ich habe Dresdner Kinobetreiber*innen eingeladen, um zu erfahren, wie es ihnen, ihren Häusern und natürlich ihren Mitarbeiter*innen ergangen ist und geht. Die gute Nachricht zuerst: Alle, die meiner Einladung gefolgt sind, haben es bislang geschafft, ihre Häuser betriebsfähig zu halten. Geholfen haben ihnen dabei die problemlose Auszahlung des Kurzarbeitergeldes für die Angestellten und auch die gewährten Überbrückungshilfen für die Betreiber. Schlecht sieht es allerdings für die Minijobber aus, die in den Kinos gearbeitet haben – für sie gibt es faktisch keinerlei Unterstützung, da die Jobs ja nicht sozialversicherungspflichtig sind. Dies ist allerdings kein branchenspezifisches Problem und zeigt deutlich, wie wichtig es ist, auf die Einführung sozialer Garantien zu drängen.

Kinos in Sondersituation

Generell sind die Kinobetreiber natürlich von der Pandemie hart getroffen – faktisch sind die Kinos seit einem Jahr – mit einer kurzen Unterbrechung im Sommer bei streng limitierter Auslastung – geschlossen. Hier geht es ihnen wie andern Branchen, also dem Gastgewerbe, den Theatern, Klubs, Konzertveranstaltern oder den Touristikern. Eine Besonderheit gibt es allerdings: Die unterschiedlichen Regelungen über Restriktionen und Lockerungen im föderalen System – also verschiedene Regelungen der Bundesländer. Einzelne, regionale Lockerungen bringen hier wenig, da die Verleiher nur dann Filme in den Verwertungsmarkt einspeisen, wenn sich die Vermarktung bundesweit lohnt. Hinzu kommt, dass die Kinos Planungssicherheit brauchen: Öffnen zu dürfen und dann wenig später wieder schließen zu müssen, birgt ein enormes Verlustrisiko. Und: So lange Filme nicht bundesweit laufen, betreiben die Verleiher auch keinen Werbeaufwand, gibt es keine Rezensionen und Kritiken in den Medien.

Aufwenig rekonstruiert und dann in die Zwangspause gegangen: Die Dresdner "Schauburg".

Ein Problem, mit dem die Kinos schon länger konfrontiert sind, ist die Dynamik des Verwertungsprozesses von Filmen über die Streamingdienste. Diese hat natürlich im Laufe der Pandemie nochmals einen enormen Schub erhalten. Man rechnet daher auch nicht damit, dass das Geschäftsvolumen nach der Pandemie wieder das alte Niveau erreichen wird. Besonders die seitens der Filmproduzenten immer weiter gekürzten Verwertungsfristen für die Kinos sowie die Praxis, neu produzierte Filme gar nicht mehr in den Filmverleih zu geben, sondern sofort in den Streamingdiensten zu vermarkten, krempelt das Geschäftsmodell Kino gehörig um. Allerdings sind sich die Kinobetreiber weitgehend einig, dass es wenig Sinn macht, dies zu betrauern, sondern dass die Kinobranche gefordert ist, durch Kreativität und neue Ideen ihren Platz zu behaupten.

Mangelnde Unterstützung durch den Freistaat Sachsen

Unterstützung erwartet man vornehmlich von der Landespolitik. Hier sieht es in Sachsen besonders schlecht aus. Während es in fast allen Bundesländern eine Förderung von Investitionen für die Lichtspielhäuser gibt, ist dahingehend in Sachsen bislang nichts passiert. Ein anderer Punkt sind die Abgaben an die Filmförderungsanstalt (FFA), die nationale Filmförderung der Bundesrepublik Deutschland. Hier zahlen Verleiher, Kinos, Videotheken ein – für die Streaminganbieter besteht jedoch keine Gesetzlich geregelte Pflicht dazu, obwohl auch diese FFA-geförderte Filme vermarkten. Dies wäre dringend zu ändern. Schließlich profitieren die Streamingdienste von den Filmen und insofern sollt die gesamte Branche auch an den Profiten von Netflix und Co. teilhaben können. Hier ist die Bundesregierung gefragt, aktiv zu werden. Die Kinolandschaft ist ein zu wichtiger Bestandteil des Kulturbetriebes, als dass man ihre Schwierigkeiten ignorieren dürfte.

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