05.03.2021

Es ist höchste Zeit für eine Mission „fifty-fifty“

Rede der Bundestagsdebatte zum Internationalen Frauentag

Redebeitrag von Katja Kipping (Die Linke) am 05.03.2021 um 09:47 Uhr (216. Sitzung, TOP 24)

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Heute vor 150 Jahren wurde Rosa Luxemburg geboren. Ihr Wirken zeigt ganz klar, dass man sozialen Fortschritt nicht auf dem Silbertablett präsentiert bekommt, sondern ihn sich erkämpfen muss. Von Luxemburg stammt der Begriff der „sozialen Garantien des Lebens“. Die Coronakrise hat uns schmerzhaft vor Augen geführt, wie wichtig heute, im 21. Jahrhundert, soziale Garantien sind, die alle sicher vor Armut schützen.

(Beifall bei der LINKEN)

Natürlich sind alle Geschlechter von Armut betroffen, doch wir wissen: Frauen besonders. Nicht nur am Frauentag sagen wir Linken deshalb: Im Bedarfsfall darf kein Mensch, kein Mann und keine Frau, im Monat unter 1 200 Euro fallen. Da lassen wir nicht locker; denn wir wollen eine Welt frei von Armut.

(Beifall bei der LINKEN)

Immer noch besetzen Männer einen Großteil der überbezahlten Spitzenjobs, und Frauen tragen einen Großteil der unbezahlten Familienarbeit bzw. der unterbezahlten Sorgearbeit zum Beispiel in der Pflege. Für ihre Aufopferung werden sie dann mit niedrigeren Renten im Alter und mit weniger Einfluss auf Entscheidungen in Politik und Wirtschaft bestraft. Das müssen wir ändern. Es ist höchste Zeit für eine Mission „fifty-fifty“, also für den Aufbruch in eine Gesellschaft, wo die verschiedenen Tätigkeiten zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt sind, die Spitzenjobs wie die wunderbare Familienarbeit.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD und der Abg. Ulle Schauws (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) - Zuruf der Abg. Nicole Höchst (AfD))

Die gute Nachricht ist - egal was jetzt von rechts kommt -: Wir Feministinnen und Feministen haben den Wind der Geschichte in unseren Segeln. All jenen, die mit dieser Zeit noch etwas fremdeln, rufe ich zu: Die Geschlechtergerechtigkeit wird kommen. Wollt ihr dann wirklich an der Seitenlinie der Geschichte stehen bleiben? Wir Feministinnen laden alle ein, wir laden euch ein, euch auch mit all euren Bedenken produktiv einzubringen und an diesem Fortschritt mitzuwirken. Es ist ein Fortschritt, der nicht aufzuhalten ist, denn wir werden ihn uns erkämpfen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten der SPD)

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