22.02.2021

Armutsquote bleibt hoch. Soziale Teilhabe von Hartz IV-Betroffenen ist nicht gewährleistet

Die Auswertung des „Panels Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ (PASS)“ zeigt, dass die Armutsrisikoquote in Deutschland hoch bleibt. Sie lag nach dieser Erhebung im Jahr 2019 bei 15,9 Prozent. Das heißt, dass in Deutschland gut jeder sechste Mensch in Armut lebt.

Die Befragung zeigt darüber hinaus, dass Hartz IV-Betroffene vielfach materiell unterversorgt und insbesondere von sozialer Teilhabe ausgeschlossen sind. In der Befragung wird das Fehlen verschiedener essentieller Güter abgefragt, die ein Hinweis für materielle Unterversorgung und absolute Armut sind. Gefragt wird beispielsweise, ob die Befragten pünktlich ihre Miete zahlen, sich mindestens täglich eine warme Mahlzeit leisten oder einmal im Monat ins Kino, Theater oder Konzert gehen können.

Mehr als 11 Prozent der Güter, die als Indikator für materielle Unterversorgung bei Nahrung und Kleidung gelten, fehlen bei Hartz IV-Betroffenen im Durchschnitt. Im Bereich sozialer Teilhabe sind es sogar 45 Prozent der Güter, die als Indikator materielle Unterversorgung gelten.

Dazu sage ich: Bei der Armutsbekämpfung versagt die Bundesregierung. Das Kleinrechnen der Regelbedarfe in Hartz IV durch alle bisherigen Bundesregierungen führt zu realer Armut bei den Betroffenen. Die Zahlen zeigen das Ausmaß von materieller Unterversorgung vor Corona. Das Wegfallen von Einkommen erwerbstätiger Hartz IV-Beziehender (sog. Aufstocker) und die Verweigerung eines Pandemiezuschlags auf Sozialleistungen für die Dauer der Pandemie wird die materielle Unterversorgung noch verschärfen.

Die Bundesregierung wird mutmaßlich darauf verweisen, dass die Werte gegenüber 2010 etwas besser geworden sind. Das hängt die Latte sehr tief, zumal die z.T. leicht verbesserten Werte auf Gesetzesänderungen zurückgehen, die durch das Bundesverfassungsgericht erzwungen wurden.

Übersicht: Dimensionen materieller Unterversorgung, Entwicklung 2010 bis 2019

Anteil der fehlenden Güter an allen Gütern einer Dimension in Prozent

 

 

Personen aus ALG-II-Haushalten

 

Wohnung

Nahrung / Kleidung

Konsumgüter

soziale Teilhabe

Finanzen

(z.B. monatlich kleinen Geldbetrag zurücklegen.)

2019

4,7

11,7

16,9

45,7

35,1

Quelle: IAB

Nachtrag: Nach unserer Nachfrage beim IAB wurden freundlicher Weise auch die Auswertungen nach Dimenensionen veröffenlticht. Diese zeigen noch einmal deutlich, in welchen Bereichen sich die massive materielle Unterversorgung von Hartz IV-Betroffenen bemerkbar macht. 15 Prozent können sich keine Wohnung mit ausreichend Zimmern leisten, jedem Fünften ist es aus finanziellen Gründen verwehrt, einmal im Monat Freund*innen zum Essen einzuladen. 
Abgenutzte Möbel ersetzen können 63 Prozent aus finanziellen Gründen nicht. Fast jede*r Dritte gibt an von der Krankenkassen nicht erstatte Behandlungen nicht in Anspruch nehmen zu können.  

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