19.02.2021

Unsensibel und unsozial!

Presseerklärung zur Sperrung eines Kletterfelsens für Behinderte in Dresden

Ein Bericht in der Sächsischen Zeitung vom 16.2.2021 hat mich zutiefst betroffen gemacht, ja empört. Es geht um einen Kletterfelsen im Plauenschen Grund in Dresden. Es ist kein gewöhnlicher Kletterfelsen. Er ist für Menschen mit Einschränkungen eine Möglichkeit, ohne finanziellen Hürden, sich sportlich zu trainieren. Das regelmäßige Training ist für jeden Menschen und besonders für Menschen die mit Einschränkungen leben müssen, so wichtig: Aus gesundheitlichen Gründen, wie auch aus Gründen der Teilhabe am sozialen Leben!

Die Stadt Dresden hat nun den Rückbau der Anlage verfügt und das Klettern dort verboten. Dafür führt sie Gründe des Naturschutzes an. In Abwägung zwischen dem Schutz einer Schmetterlingsart und einer Kletteranlage für eine Gruppe von Menschen, die es besonders schwer haben, hat der Schmetterling gewonnen. Es ist gut und wichtig die Natur zu schützen. Das eigentlich Unverständliche ist, dass dieses Problem seit über einem Jahr behandelt wurde und im Resultat für die Nutzer*innen der Anlage keine Alternative gefunden wurde.

Darüber müssen die dafür Verantwortlichen mit den Nutzer*innen reden und eine attraktive Alternative finden. Der Konflikt zwischen Schmetterlingen und Menschen mit Behinderung darf nicht einseitig zu Lasten der Menschen mit Behinderung aufgelöst werden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert darf sich hier nicht hinter Bürokratie verstecken. Herr Hilbert muss das Thema zur Chefaufgabe machen und eine Lösung finden, die sowohl dem Naturschutz entspricht und die zugleich eine adäquates öffentliches Kletterwandangebot für Menschen mit Beeinträchtigungen schafft.

Ebenfalls kann es nicht sein, dass die engagierten Kletterfreunde auch noch den Abbau bezahlen sollen. Das geht gar nicht. Von einer Stadt, die sich mit der Förderung und Unterstützung von über 100 Selbsthilfegruppen – zurecht – rühmt, sollte mehr Sensibilität zu erwarten sein.

Immerhin scheint nun aber Bewegung in die Sache gekommen zu sein, wie man dem SZ-Artikel vom 3. März 2021 entnehmen kann. Ich werde dranbleiben.

 

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