17.11.2020

Aufruf für die Einführung der 4-Tage-Woche

Gerade jetzt sollten wir die Gelegenheit beim Schopfe packen und die Arbeitszeit verkürzen. Eine kürzere Arbeitswoche kann sogar dabei helfen, die Folgen der Corona-Krise abzufedern. Sie ist zudem gut für die mentale Gesundheit und den Klimaschutz. Voller Lohnausgleich muss sein, damit weniger Arbeitszeit nicht zu weniger Einkommen führt. Zusammen mit anderen europäischen Politiker:innen, Wissenschaftler:innen und Campaignern habe ich einen Aufruf gestartet. #4dayweek

Den ganzen Aufruf gibt's hier auf Englisch...

 

Übersetzung in Deutsche:

Offener Brief an die führenden Politiker der Welt

Sehr geehrter Premierminister Boris Johnson, gewählter Präsident Joe Biden, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Premierminister Pedro Sánchez, Premierminister Jacinda Ardern, Taoiseach Micheál Martin und Erster Minister Mark Drakeford.

Wir schreiben aus Großbritannien, den USA, Deutschland, Spanien, Neuseeland, Irland und Wales als internationale Koalition von Politikern, Gewerkschaftsführern, Wirtschaftsführern, Akademikern und Aktivisten, die als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie kürzere Arbeitszeiten fordern.

Im Laufe der Geschichte wurden kürzere Arbeitszeiten in Zeiten der Krise und der wirtschaftlichen Rezession genutzt, um die Arbeit zwischen Arbeitslosen und Überbeschäftigten in der gesamten Wirtschaft gleichmäßiger zu verteilen. Wir glauben, dass dies jetzt wieder eingesetzt werden sollten, um die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu bewältigen.

Überall auf der Welt stellen sich die Menschen eine bessere Zukunft nach Covid-19 vor und wollen überwiegend eine bessere Work-Life-Balance. Seit der Einführung des Wochenendes und des 8-Stunden-Tages nach der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren ging die Arbeitszeit bis etwa in die 1980er Jahre allmählich zurück. Seitdem ist die Arbeitszeitverkürzung ins Stocken geraten.Trotz aller Versprechungen haben enorme technologische Fortschritte und Automatisierung keine neue Ära mit mehr Freizeit eingeläutet.

Für den Fortschritt der Zivilisation hin zu einer guten Gesellschaft ist jetzt der Moment gekommen, die Gelegenheit zu nutzen und auf kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnausfall umzusteigen. Wir müssen die Volkswirtschaften zum Arbeiten bringen, um das Leben der Menschen zu verbessern und nicht nur, um der Wirtschaft zu dienen.

Wir wurden durch Kommentare von Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, ermutigt, die sich für eine viertägige Arbeitswoche aussprachen und wir stellen fest, dass sowohl die schottische als auch die walisische Regierung Kommissionen eingesetzt haben, um den Vorschlag weiter zu untersuchen. Es gab auch positive Studien in Finnland und Island, und die valencianische Regierung in Spanien hat kürzlich eine viertägige Woche unterstützt.

Kürzere Arbeitszeiten wären nicht nur gut für die Wirtschaft, sondern sie würden auch für die Förderung der psychischen Gesundheit und die Bekämpfung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung sein. Eine viertägige Woche würde eine kritische Verschiebung in der Gestaltung unserer Volkswirtschaften hin zum Wohl von Mensch und Natur signalisieren, da wir die dringende Notwendigkeit sehen, die CO2-Emissionen auf ein sicheres Niveau zu senken.

Wir stehen in einem kritischen Moment inmitten politischer, wirtschaftlicher und ökologischer Krisen. Der Wiederaufbau von Volkswirtschaften bietet die Möglichkeit, dringend benötigte Veränderungen im Leben von Milliarden von Menschen zu bewirken. Die Umstellung auf kürzere Arbeitszeiten wird jedoch nur mit Unterstützung der Zusammenarbeit der Regierung mit Gewerkschaften und Unternehmen erfolgen.

Wir stehen auf der Schulter von Giganten, die sich für die Einführung des Wochenendes und der 40-Stunden-Woche eingesetzt haben. Unsere Welt wäre unermesslich besser, gerechter und glücklicher mit mehr Freizeit und wir fordern Sie auf, den Moment zu nutzen.

Mit freundlichen Grüßen -

Joe Ryle - 4-Tage-Wochenkampagne (UK)

Jon Steinman - 4 Tage Woche US

Mark Hooper - 4-Tage-Woche Cymru (Wales)

Joe O’Connor - 4-Tage-Woche Woche Irland

María Álvarez - Campaña 4 Suma: por la semana laboral de 4 días (Spanien)

John McDonnell - Labour-Abgeordneter für Hayes und Harlington & ehemaliger Schattenkanzler (UK)

Katja Kipping - Vorsitzende von Die Linke (Deutschland)

Iñigo Errejón - Más País Abgeordneter im spanischen Parlament

Sophie Howe - Kommissarin für künftige Generationen in Wales

Len McCluskey - Unite - Generalsekretär (UK)

Mark Serwotka - PCS-Generalsekretär (UK)

Dave Ward - Generalsekretär der Communication Workers Union (UK)

Caroline Lucas - Grüner Abgeordneter für Brighton Pavilion (UK)

Clive Lewis - Labour-Abgeordneter für Norwich South (UK)

Inés Sabanes - Equo MP im spanischen Parlament

Mónica Oltra - Vizepräsidentin und Ministerin für Gleichstellung und integrative Politik der valencianischen Regierung (Spanien)

Joan Baldoví - Abgeordneter des Kompromisses im spanischen Parlament

Carles Mulet - Kompromissabgeordneter im spanischen Senat

David Adler - Vorsitzender der Koalition für einen grünen New Deal für Europa

Andrew Barnes - Architekt von 4 Day Week Global und Gründer von Perpetual Guardian (NZ)

Charlotte Lockhart - CEO von 4 Day Week Global (NZ)

Philipp Frey - Zentrum Emanzipationale Technikforschung (Deutschland)

Margareta Steinrücke - Attac AG Arbeit fair teilen (Deutschland)

Guðmundur D. Haraldsson, Alda - Verein für nachhaltige Demokratie (Island)

Will Stronge - Forschungsdirektor bei Autonomy (UK)

Aidan Harper - New Economics Foundation (Großbritannien)

Ausdrucken | Seitenanfang

Neue Linke Mehrheiten
Corona
Wer flüchtet schon freiwillig
Prager Frühling - Magazin f�r Freiheit und Sozialismus