23.10.2020

Einsatz für Menschlichkeit erfordert an die Ursachen von Unmenschlichkeit zu gehen!

Rede für "Herz statt Hetze" am 25.10.2020 in Dresden

Liebe Freundinnen und Freunde der Menschenwürde!

Es sind keine einfachen Zeiten, in denen wir gerade leben und es war ja wirklich nicht leicht, diese Veranstaltung hier in Zeiten von Corona auf die Beine zu stellen. Dafür zuallererst mein Dank an alle, die hier so großartig vorgearbeitet haben.

Herz statt Hetze ist das Motto am heutigen Tage und es ist traurig, solch ein Motto überhaupt wählen zu müssen. Ich bin jetzt seit über 20 Jahren in der Politik und da geht es nicht immer sonderlich herzlich zu. Das muss man eben aushalten.

Was aber in den letzten Jahren mit dem gesellschaftlichen Klima geschehen ist, sollte man nicht aushalten müssen. Nein - gegen diese spezielle Art Klimawandel muss man kämpfen. Darum sind wir heute hier!

Wir stehen allerdings nicht nur in Deutschland vor diesem Problem. Es ist - wie auch der meteorologische Klimawandel - ein weltweites.

Ob wir in die USA schauen oder nach Brasilien, ob in die Türkei oder nach Indien. Und es gäbe noch einige Länder mehr zu nennen, auch in der Nachbarschaft: Mit Vorurteilen, religiösen Dogmen, rassistischen Beleidigungen, Nationalismus, schamlosen Lügen und Unterstellungen wird inzwischen wieder Politik gemacht. Nicht in muffigen Nischen, sondern in Regierungssitzen.

Als hätte es die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert nicht gegeben.

Als wäre der Holocaust nie gewesen.

Als hätte der grausame Bürgerkrieg in Jugoslawien nicht eben noch stattgefunden, wie auch die entsetzliche Metzelei in Ruanda oder die Vertreibungen in Myanmar.

Ich habe einiges aufgezählt. Es ist nur ein Bruchteil dessen, was an Scheußlichkeiten passiert ist und immer noch passiert. Eines ist aber allen diesen Beispielen gemein: Es begann und beginnt immer mit Ausgrenzung - und es endet im Morden.

Wie ähnlich sie sich alle sind:

der Rassist, der Walter Lübke erschoss,
der antisemitische Fanatiker von Halle,
die islamistischen Mörder von Paris
und ja – nun auch hier in Dresden.

Und wie ähnlich sich ihre Einpeitscher und Anstifter sind, in ihrer grenzenlosen Verachtung der Menschenwürde. Manchmal ganz offen zur Schau getragen auf der Straße oder auf Youtube, manchmal subtil und mit Unschuldsmiene in Parlamenten oder vor Fernsehkameras.

Ich hätte eine Menge über die Ursachen dafür zu sagen, was die Menschen anfällig dafür macht, ihre Mitmenschen auszugrenzen und zu demütigen. Dafür reicht die Zeit heute nicht. Deshalb nur wenige Worte dazu.

Eine Gesellschaft, in der Gier als zentrale Triebkraft zählt,

eine Gesellschaft, in der Solidarität als Last empfunden wird und erwerbslose Menschen als Schmarotzer diffamiert werden,

eine Gesellschaft, in der Bildung Stück für Stück wieder zum Privileg wird,

eine Gesellschaft, in der Antifaschismus als kriminell denunziert und zum Beobachtungsgegenstand für Geheimdienste gemacht wird –

eine solche Gesellschaft ist der Nährboden dafür, dass eine mühsam kultivierte Zivilisation in die Barbarei zurückfällt.

Und da müssen wir dagegen halten. Einsatz für Menschlichkeit erfordert auch, an die Ursachen von Unmenschlichkeit zu gehen!

Ja - es geht um Menschenwürde hier und heute!

Für jene Menschen, denen sie bislang versagt blieb, für jene Menschen, denen der Verlust ihrer Menschenwürde droht, wenn es nicht gelingt, Hass und Hetze zu stoppen. Unsere eigene Menschenwürde dann übrigens eingeschlossen.

Danke, dass Ihr gekommen seid!

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