02.06.2020

Zum Jahrestag des Mordes an Dr. Walter Lübcke

Vor einem Jahr wurde Dr. Walter Lübcke ermordet. Er wurde erschossen, als er arglos auf der Terrasse seines Hauses saß. Der mutmaßliche Mörder war ein Rassist und aktiver Nazi. Er hatte schon vorher versucht zu töten. Mit Messern, mit Feuer und durch Schläge.

Schmerz ist erträglicher, wenn man an einen Sinn glauben kann. Der Tod eines Menschen ist womöglich erträglicher, wenn er auch das Ende einer schmerzlichen Erkrankung bedeutet. Wie soll man den Schmerz ertragen, den der Tod eines Menschen auslöst, welcher Opfer eines politischen Mordes wurde?

Die Tat hat keinen Sinn, nur einen Zweck und der ist verachtenswert. Diesen Zweck versuchen die Mörder und ihre Komplizen, die Vordenker der extremen Rechten zu verschleiern. Ein altes Muster: Der konservative Zentrumspolitiker Joseph Wirth hat bereits nach der Ermordung Walther Rathenaus von den Anstiftern der rechten Morde gesprochen, die da „in großen Versammlungen“ hinausschreien, dass was Demokraten tun, „ein Verbrachen am Volk wäre“. Es sind ganz ähnliche Reden, die bei Pegida geschwungen und von AfD-Politikern in den sozial Netzwerken gestreut werden. Sie haben damals mit Worten auch auf Walter Lübcke gezielt, geschossen haben dann andere.

Die Anstifter und die Gesinnungsgenossen der Mörder von Walter Lübcke haben in Halle und Hanau weiter gemordet. Den Schmerz, den die Familie, die Freunde und Freundinnen, die Kolleginnen und Kollegen und die Weggefährten von Walther Lübcke erleiden müssen, trifft nun die Familien und die Freund*innen von Jana Lange, Kevin Schwarze, Gökhan Gültekin, Ferhat Ünver,Hamza Kurtović,Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kalojan Welkow, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Said Nessar El Hashemi und Gabriele Rathjen.

Wir als Gesellschaft können diesen Taten keinen Sinn verleihen, es aber an der Zeit, dass wir als Gesellschaft den Schmerz teilen und ihn als Aufforderung daran zu begreifen, was zu tun ist: Um all jene trauern, die wie Walther Lübcke und die Opfer von Halle und Hanaus aus Rassismus und politischer Mordsgesinnung getötet wurden. All jenen ins Wort zu fallen, die zu diesen Taten ermuntern. All Jenen in den Arm zu fallen, die als Vorbereitung auf den Tag neue Morde und Bürgerkriegsszenarien am Tag X planen. Und jene beiseite zu schieben, die die rückhaltlose Aufklärung rechter Netzwerke behindern. In Hessen und in der gesamten Republik.

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