04.12.2019

Das Sozialticket in Dresden – eine Erfolgsgeschichte

Seit 2010 gibt es in Dresden ein Sozialticket. Ein wichtiger Schritt in Richtung bezahlbare Mobilität für alle.

Was für eine Aussicht auf das herbstliche Trachenberge! Im Herbst führt mich mein Wahlkreisprogramm auch zu den Dresdner Verkehrsbetrieben. Ganz oben im Verwaltungsgebäude der DVB erwartet uns nicht nur ein schöner Ausblick sondern auch eine Menge spannender Zahlen.

Über 15.000 Menschen bezogen im Jahr 2018 in Dresden das Sozialticket und kommen so in den Genuss von preiswerter Mobilität mit Bus und Bahn. Und zum fünften Mal in Folge standen Sie ganz oben auf dem Treppchen beim ÖPNV-Kundenbarometer. Platz eins von 40 teilnehmenden Verkehrsunternehmen.

Der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe, Herr Hemmersbach ist für mich schon ein langjähriger Diskussionspartner. Lächelnd erinnerten wir uns an die ersten Diskussionsrunden zur Einführung eines Sozialtickets in Dresden. Das war im Jahr 2007. Damals waren die Aussichten für das Sozialticket wahrlich schlecht. Groß war die Skepsis. Deshalb brachte damals mein Büro Vertreter der Stadtverwaltung und der Verkehrsbetriebe bei internen Fachgesprächen zusammen mit Fachleute aus Städten, die bereits ein Sozialticket eingeführt hatten. Wir hofften, die guten Erfahrungen aus Städten wie Köln könnten die Skepsis verjagen. Verkehrsbetriebe müssen auch betriebswirtschaftlich denken, solange nicht bundesweit die Finanzierung anders geregelt ist. Deshalb argumentierten wir damals auch damit, dass hohe Ticketpreise ärmere Menschen komplett davon abhalten sich ein Monatsticket zuzulegen, ein Sozialticket hingegen ihnen neue Kunden und Kundinnen erschließen könne.

Von anfänglicher Skepsis nichts geblieben

Parallel zu diesen internen Fachgesprächen gründeten wir zusammen mit den Grünen, mit Gewerkschaften, Umweltgruppen, Erwerbslosen bis hin zur Heilsarmee ein außerparlamentarisches Bündnis für ein Sozialticket. Dieses Bündnis organisierte verschiedene öffentlichkeitswirksame Aktionen und setzte somit das Thema in der Kommunalpolitik auf die Tagesordnung. Kandidierende für den Stadtrat wurden bei allen möglichen Anlässen mit der Frage konfrontiert: Wie halten Sie es mit dem Sozialticket? Rückblickend meine ich, genau diese Kombination aus öffentlichen, außerparlamentarischen Druck und Fachgesprächen mit Verantwortlichen war wichtig, damit aus einer guten Forderung auch soziale Realität wird. 2010 wurde es dann wirklich in Dresden eingeführt. Die Geschichte des Sozialtickets in Dresden zeigt, dass politisches Engagement den Unterschied machen kann.

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