28.01.2020 / Katja Kipping

Der 8. Mai sollte ein gesetzlicher Gedenk- und Feiertag werden

Um die Bedeutung des 8. Mai wurde in Deutschland lange gerungen. Richard von Weiszäckers Rede anlässlich des 40. Jahrestages des Sieges über das nationalsozialistische Deutschlands war dabei ein wichtiger Meilenstein. Sein Diktum: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung“ formulierte damals keine Selbstverständlichkeit. Es war der unausgesprochene Kontrapunkt zur Kranzniederlegung von Bundeskanzler Helmut Kohl und Ronald Reagan an den Gräbern von SS-Veteranen in Bitburg, der symbolischen Versöhnung von Befreiern und Besiegten —  Massenmörder von Wehrmacht und SS inbegriffen. 

Gesellschaftlich ist diese Kontroverse — Tag der Befreiung oder Tag der Niederlage — mittlerweile entschieden. Mit dem Aussterben der Generation der aktiven NS-Täter*innen ist es nur noch eine laute und gefährliche Minderheit, die den 8. Mai nicht als das anerkennt, als was ihn Richard von Weiszäcker vor 35 Jahren bezeichnete. 

Sollte der 8. Mai ein gesetzlicher Feiertag werden?  „Für uns Deutsche  ist dieser Tag kein Tag zum Feiern“, sagte Weizsäcker. Der Krieg ging von Deutschland aus, deshalb bleibt der Gedanke richtig: Deutsche können und sollten sich nicht leichtfertig auf die Seite der Sieger stellen. 

Andererseits leben wir heute in einer Einwanderungsgesellschaft, es gibt mittlerweile Deutsche mit russischer, französischer, englischer und amerikanischer Familiengeschichte und zumindest in Großstädten wieder blühenden jüdischen Gemeinden. Deshalb denke ich ja: Der 75. Jahrestag des 8. Mai 1945 und der gleichzeitige 35. Jahrestag der Weiszäcker-Rede ist ein guter Anlass den „Tag der Befreiung“ zum gesetzlichen Gedenk- und Feiertag zu erklären. 
Ob der Tag zum ausgelassenen Feiern, zum stillen Gedenken oder zum Besuch einer Gedenkstätte genutzt wird, hängt dann von jedes einzelnen Familiengeschichte und der jeweiligen persönlichen Verbindungen zu diesem Tag ab. Um aber eine Verbindung mit diesem Datum in kommenden Generationen zu erhalten, sollte der Tag der Befreiung jedoch als ein besonderer Tag im Bewusstsein verankert werden.

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