03.10.2019

Wo der Osten den Takt vorgeben sollte ...

Auch heute, 29 Jahren nach Wirksamwerden des Einigungsvertrages, erinnert der 3. Oktober auch an die Ungerechtigkeit, dass sich bis heute Löhne und Renten in Ost und West noch immer deutlich unterscheiden.
Aber es geht nicht nur um die ökonomische Ungleichbehandlung. Deshalb will ich diesen Feiertag auch zum Anlass nehmen, um den Respekt für ostdeutsche Errungenschaften ins Zentrum zu rücken.
Eine besondere Errungenschaft ist die Selbstverständlichkeit für Frauen, dass man sich nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden muss. Die Voraussetzung war und ist eine gute, flächendeckende, wohnortnahe Kita-Betreuung. Und zwar eine, die nicht nur bis zur Mittagspause geht, sondern ganztägig angelegt ist.
Neben den Dingen, die niemand zurückhaben will — wie der Überwachung, das Fehlen von Grundrechten und freien Wahlen — gibt es viele kleine Erfahrungen, die man im Osten gemacht hat und die, obwohl erhaltenswert, heute zum Teil vergessen sind:
Güterverkehr wurde überwiegend mit der Bahn abgewickelt und unter Bedingungen des Ressourcenmangels wurden mit großer Kreativität Geräte entwickelt, die langlebig waren und die man leicht wieder reparieren konnte. Was aus Ressourcenschutz damals in die Wege geleitet wurde, ist heute in Zeiten des Klimaschutzes aktueller denn je.
Das sind Bespiele, bei denen der Osten eigentlich den Takt für die Bundesrepublik vorgeben sollte. Denn diese Errungenschaften anzuerkennen ist eben auch ein Teil der inneren Einheit. Es sind auch Errungenschaften einer Generation, die mit der friedlichen demokratischen Revolution Geschichte geschrieben hat.

 

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