18.07.2018

Unterwegs ins Sachsen

Impressionen von der Sommertour durch Sachsen

18. Juli

Gestern nun der Abschluss meiner Sommertour durch Sachsen. Sebnitz, Hohnstein und Pirna standen auf dem Plan und es war wieder ein von den Genossen vor Ort prima getimter und vorbereiteter Tag.

Start war in Sebnitz, wo wir im Sängerhof zu einem Bürgerfrühstück unter freiem Himmel geladen hatten. Etwa 20 Leute, darunter auch zwei Migrantinnen aus Libyen und Syrien mit ihren Kindern waren gekommen und es wurde ein gemütlicher Vormittag mit Gesprächen über biologischen Landbau, das Hartz IV-System und die Integrationsarbeit vor Ort. Vielen Dank besonders an Rainer Böhme, unseren LINKEN Ortsvorsitzenden aus Sebnitz.

Nächste Station war das wunderschöne Städtchen Hohnstein, wo uns am Tor der Burg schon Bürgermeister Daniel Brade, der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft der Burg, Andrè Häntzschel und engagierte Bürger einer Bürgerinitiative, welche ein großes Projekt verwirklichen will: Eine Hängebrücke für Fußgänger vom Hockstein über das Tal zur Burg.

Vorerst haben Stadt und Betreibergesellschaft aber ein noch größeres Problem: Der Sanierungsstau an dem historischen Gemäuer ist erheblich, der Landkreis finanziell klamm und die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH zeigt kein großes Interesse an der Übernahme. Aktuell wären ca. 4 Millionen Euro nötig, um wenigstens den baulichen Weiterbestand der Burg zu sichern. Dabei handelt es sich bei der Burg Hohnstein um ein Bauwerk, dass mit einer langen, auch dunklen Geschichte aufwartet. Sie war in der 20er Jahren des 20. Jahrhunderts nicht nur die größte Jugendherberge Deutschlands, sondern auch eines der ersten Konzentrationslager der Nazis. Erster Häftling auf der Burg Hohnstein war der Sozialdemokrat und Herbergsleiter Konrad Hahnewald. Bei der Übernahme der Burg durch die SA verweigerte er das Hissen der Hakenkreuzfahne. Daraufhin wurde er von seinem Posten enthoben und festgenommen.

Nach einer Führung durch die Anlage und Diskussionen mit den Bürgern durften sich Rico Gebhardt und ich in das Goldene Buch der Stadt eintragen. Passiert auch nicht so oft. Vielen Dank für die spannenden Stunden!

Weiter ging es nach Pirna, wo wir zu Gast beim Kunst- und Kulturverein Uniwerk in der Alten Feuerwache waren. Seit über zwanzig Jahren gibt es den Verein, der sich u.a. mit Ausstellungen regionaler Künstler*innen, der Musikreihe Jazz55 und einer Straßengalerie in der Schmiedestraße als umtriebiger Akteur in der Pirnaer Kulturszene etabliert hat - und zwar rein ehrenamtlich. Das verdient höchsten Respekt. Bei Kaffee und Kuchen kamen wir danach im Cafe Bohemia mit zwei Pirnaer Chorleitern und einer engagierten Mitstreiterin der Kleinkunstbühne Q24 ins Gespräch. Pirna hat kulturell wirklich einiges zu bieten und ich wünsche allen Leuten, die wir getroffen haben weiterhin viel Erfolg und Spaß.

Nach einem Bürgerpicknick auf den Elbwiesen gab es am Abend wiederum eine Veranstaltung zum Bedingungslosen Grundeinkommen - diesmal Open Air am Friedenspark. Beim Plätschern des Springbrunnens habe ich die Idee vorgestellt und dann mit den interessierten Pirnaerinnen über Machbarkeit, Chancen und Kritik daran diskutiert.

Nun ist meine Tour vorbei, ich mache erst mal Urlaub mit der Familie und möchte mich bei allen, die an der Tour beteiligt waren, allen Organisator*innen und natürlich auch allen aufgeschlossenen Bürger*innen und Gastgeber*innen bedanken. Es hat großen Spaß gemacht und ich wünsche Euch und Ihnen eine wunderschönen Sommer!

17. Juli

Teil meiner Sommertour durch Sachsen ist es, barrierefrei voranzukommen. Dazu passend erwartete uns auch heute wieder eine Radtour - diesesmal mit MdL Marco Böhme, dem mobilitätspolitischen Sprecher in der Sächsischen Landtagsfraktion. Außerdem dabei Jens Kretschmar, Vorsitzender der LINKEN-Fraktion in Wurzen, sowie der LINKE Ortsvorsitzende in Grimma-Colditz: Maximilian Schöpe.

Wir besuchten zuerst das Fährhaus in Dehnitz und sprachen hier mit dem Betreiber über Hochwasserschutz. Nicht nur die fehlende Elementarversicherung für das Fährhaus mit Gastronomie, auch eine Bahnbrücke die den Hochwasserabfluss massiv stört, machen ihm Sorgen und bedrohen die Gebiete und Gemeinden entlang des Mulde-Ufers. Gottfried Stecher, Landesvorsitzender der Sächsischen Imker, verschaffte uns einen Einblick in die Bedingungen moderner Bienenwirtschaft. Pestizide aus der Landwirtschaft sowie der Preisdruck erschweren ihm, seinen Berufgenoss*innen und den Bienenvölkern die Arbeit.

Besonders beeindruckend fand ich den Besuch auf dem Landgut Nemt - hier werden Kreislaufwirtschaft, teilweise Bioanbau, Biogaserzeugung und Milchwirtschaft auf nachhaltige Weise schon seit vielen Jahren praktiziert. In diesem Jahr steigert das sehr trockene Wetter die Nebenkosten und die Gefahr von Ernteausfällen. Zusätzlich erschweren intransparente und bürokratische Behördenangelegenheiten unnötig. Die Förderung kleiner Betriebe muss dringend verbessert und entbürokratisiert werden, damit sie mit ihren Produkten neben weltweit agierenden Großkonzernen und Massentierhaltung eine Chance haben zu bestehen.

In Bennewitz begrüßte uns der Bürgermeister Bernd Laqua und informierte uns über die Entwicklung der Region. Digitale Infrastruktur, Tourismus und der Europäische Strukturfond zur Förderung ländlicher Gebiete spielten ein Rolle. Gemeinsam legten wir Blumen am Gedenkstein Albert Kuntz‘ nieder (am Jugend- und Freizeittreff „Werner Moser“, Bennewitz).

Weiter ging’s mit dem Rad zum „Dorf der Jugend“ - ein erfrischendes Projekt, das unter anderem Schulsozialarbeit gegen Rassismus und Extremismus realisiert. Neben weiteren Sozialarbeiter-Stellen braucht es im Moment finanzielle Unterstützung zur Herrichtung des Veranstaltungsraums in der ehemaligen Spitzenfabrik. Nicht wenige Jugendliche finden hier ihren Freiraum zur Verwirklichung, einige nennen es sogar den einzigen Grund, warum sie in der Region Grimma bleiben. Wichtig ist, dass kommunalpolitische Unterstützung die Umsetzung solcher Projekte erleichtert. Es braucht gute Gründe für junge Menschen, wenn sie und ihre Potenziale für den ländlichen Raum gewonnen und gehalten werden sollen!

Der lange, sehr sonnige Tag endete mit einer BGE-Abendveranstaltung, anregenden Gesprächen und wichtigen Impulsen im „Herzwerk für demokratische Kultur“ am Domplatz in Wurzen.

12. Juli

Ein wenig später, als geplant, ging es gestern aus dem verregneten Dresden, wo noch ein Termin mit einem Fernsehteam anstand, ins wesentlich trockenere Vogtland. Hier, in Plauen, hatte unsere Landtagsabgeordnete Janina Pfau ein Treffen mit freien Trägern der Jugendhilfe organisiert, an dem auch wieder Rico Gebhardt teilnahm.

Danach stand eine barrierefreie Wanderung mit Aktivisten aus örtlichen Initiativen für ein behindertenfreundliches Plauen auf dem Plan. Auf dem Weg gab es gute Möglichkeiten, miteinander über das so wichtige Thema Barrierefreiheit ins Gespräch zu kommen.

Auf einer Stadtführung durch die Plauener Innenstadt gab es viel zu entdecken, z.b. das Erich-Ohser-Haus, das dem Wirken des Karikaturisten Erich Ohser gewidmet ist, Schöpfer der „Vater-und-Sohn-Geschichten. Denunziert von einem Nachbarn nahm sich Erich Ohser 1944 in Gestapo-Haft das Leben. Seit 2010 steht auch das Vater-und-Sohn-Denkmal vor dem Haus in der Plauener Nobelstraße.

Am Abend ging es vom Vogtland ins Erzgebirge, nach Stollberg. Im Kulturbahnhof war eine Veranstaltung zum Bedingungslosen Grundeinkommen organisiert und offensichtlich so gut beworben, dass der Veranstaltungssaal aus allen Nähten platzte und die Stühle nicht reichten. Vielen Dank an alle Genoss*innen und Helfer für diesen gelungenen Tag!

11. Juli

Der gestrige Tourenabschnitt führte mich ins Bürgerbüro von MdL Kathrin Kagelmann in Weißwasser sowie zum Marktplatz in Bad Muskau, wo Bürgergespräche geplant waren. Die prekäre Situation der Pflegerinnen und Pfleger spielte eine große Rolle im Gespräch mit Betroffenen aus der Region, aber auch das  Bedingungslose Grundeinkommen, Arbeitslosigkeit und Hartz4 waren Themen.

Im Gasthof "Zur Linde" in Krauschwitz diskutierten Kathrin und ich dann in einem vollen Saal mit den Gästen über das Bedingungslose Grundeinkommen. Hier war ganz deutlich, dass der Strukturwandel in der Lausitz gerade erst beginnt und zahlreiche soziale Folgen mit sich bringt: noch immer hält die Abwanderung der Jugend an, noch immer herrschen Arbeits- und Ratlosigkeit vor. Der Ausstieg aus der Braunkohle wird ein langer steiniger Weg, die traditionelle Glasindustrie ist schon vor langer Zeit aus der ehemals prosperierenden Region verdrängt worden. Hier gibt es noch viel zu tun für DIE LINKE, denn ein Strukturwandel kann nur mit den Menschen stattfinden, niemals gegen sie.

 

 

10. Juli 2018

Verregnet startete die Sommertour am gestrigen Dienstag in Kamenz. Dennoch versammelten sich ca. 25 Menschen, um mit uns den Gartenkulturpfad zu erforschen und zur darauf folgenden Bürgersprechstunde im Bürgerbüro. Anschließend halfen der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im sächsischen Landtag, Rico Gebhard, unsere Kamenzer Landtagsabgeordnete Marion Junge und ich den Frauen der Kamenzer Tafel bei der Ausgabe. Dort konnten Interessierte sich später mit uns zusammensetzen und bei Kaffee Kuchen Ihre Probleme und Sorgen schildern.

Auf unserem Weg rund um Kamenz besuchten wir die Gedenkstätte für das KZ-Außenlager Kamenz-Herrental. In diesem Außenlager waren Häftlinge aus 21 europäischen Nationen eingesperrt. Sie wurden als Zwangsarbeiter in der Rüstungsproduktion mißbraucht, mißhandelt, ermordet und in einer Fabrikkesselanlage verbrannt.

Gegen Nachmittag ließ der Regen nach, so dass die anschließende Bürgersprechstunde im Eiscafé in kleinerer Gruppe im Freien stattfinden konnte. Ich freue mich auf unsere Radtour ab Weißwasser morgen, der Wetterbericht sagt gutes Wetter voraus. Bis dahin!

 

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