13.02.2018

Joyeux Anniversaire, Beate Klarsfeld!

mit einem Schlag bekannt — und das im wortwörtlichen Sinne. Dabei ist diese bekannteste Ohrfeige der deutschen Geschichte nur eine — wenn auch wichtige — Sekunde in diesen ab heute 79 Jahren Leben von Beate Klarsfeld. Einem Leben, das vom Kampf gegen die Straflosigkeit von NS-Tätern und der Arbeit gegen jeden Antisemitismus geprägt war und ist.

In den 1960/70er Jahren sitzt oft genug Beate Klarsfeld auf der Anklagebank. Dort, wo eigentlich die Massenmörder sitzen sollten, „die frei herumgehen, ihr Häuschen haben und Blumen züchten“*. Während sie wegen der Ohrfeige gegen Bundeskanzler Kiesinger als Terroristin verunglimpft wurde, sandten ihr Unbekannte Auto- und Paketbombe, deren Detonationen sie zum Glück verfehlten.

Beate Klarsfeld in Dresden

Mit Mut und Ausdauer verfolgten Beate und ihr Mann Serge die Nazitäter überall dorthin, wo diese sich versteckten: in die Bundesrepublik, in die Diktaturen und autoritären Regimes in Lateinamerika und im Nahen Osten. Im Ostblock protestierte sie gegen den Antisemitismus im realsozialistischen Polen und kettete sich in Warschau an. In Prag verteilte sie Flugblätter gegen die antisemitische Propaganda in den Schauprozessen nach dem Prager Frühling. Verhaftung und Ausweisung waren jeweils die Folgen.

Als linke Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin hat sie sich genauso wie als UNESCO-Sonderbotschaftern für Bildung über den Holocaust gerade wegen ihrer Unbeugsamkeit und Konsequenz größten Respekt erworben.

Beate und Serge Klarsfeld haben mit ihrem durchaus gefährlichen Leben dazu beigetragen, dass die Bundesrepublik ein anderes Land geworden ist. Sie haben die Aufmerksamkeit auf die Täter gelenkt und mit dafür gesorgt, dass deren Taten heute nur noch von einer (wenn auch manchmal lautstarken) Minderheit bagatellisiert werden.

Beate Klarsfeld, alles Gute zum Geburtstag!

* So schrieb Joseph Wulff, Auschwitzüberlebender und Begründer der Ausstellung im Haus der Wannseekonferenz, resigniert über die bundesrepublikanische Gesellschaft kurz vor seinem Suizid 1974.

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