28.07.2009

Und wieder mal: Menschen sollen Autos weichen

Die Königsbrücker Straße soll vierspurig ausgebaut werden

Freitag ab 17 Uhr verstärkt Verkehrsbehinderungen auf der Königsbrücker

Das große Hupkonzert beginnt schon vor der Fahrraddemo – im waghalsigen Stil zirkelt sich eine junge Frau auf dem Fahrrad auf der Überholspur durchs Verkehrsgedränge. Die verdutzten Autofahrer, die es gewohnt sind, Radler rechts von sich demütig am Fahrbahnrand zu sehen, reagieren auf die rasant von links überholende Zweiradfahrerin ungehalten mit Kopfschütteln, nicht wenige verfallen in lautstarken Protest. „Das müssten viel mehr machen!“ meint dagegen die Frau, die ihren Namen nicht gedruckt lesen will, um eine Anzeige zu vermeiden.“Im Prinzip gibt es doch zwei Spuren aber keinen Radweg – also bin ich eben immer mal wieder auf der zweiten Spur unterwegs! Die Autos können mich doch gern rechts überholen, wenn ich denen zu langsam sein sollte ...“ Mit diesen Worten stößt sie zu den Wartenden vor der Schauburg, die zur fünften Fahrraddemo auf der Königsbrücker in diesem Jahr am vorletzten Juniwochenende zusammengekommen sind. Es ist übrigens die erste, bei der selbst gebastelte Schilder mitgebracht werden.

Der Initiator Konrad Gehler, ein Student und Mitglied der Dresdner Sektion des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), ist mit dem Megaphon und einem dänischen Lastenrad gekommen. Lediglich ein Drittel der Neustädter Haushalte besitzt nach seiner Aussage ein Auto – von den anderen würden sich viele über eine Fahrrad freundlichere Neustadt freuen, doch Parteien wie die CDU würden einen vierspurigen Ausbau favorisieren. So spricht er ins Megaphon als schließlich alle sich auf den Sattel setzen und in die Pedale treten: „Wir demonstrieren hier dafür, damit die Königsbrücker Fußgänger- und Fahrrad freundlicher wird – und alle die hier einkaufen oder leben eine saubere Luft zum atmen haben. Wir sind gegen den vierspurigen Ausbau der Königsbrücker, der dazu führen würde, dass Fußgänger und Radfahrer noch weniger Platz haben!“ Von den Passanten gibt es sowohl erstaunte als auch wohlwollende Blicke. Manche rufen: „Das ist gut, was ihr da macht!“ Andere klatschen. So geht es zum Albertplatz und schließlich nach einer Kehre hinauf zum Olbrichtplatz, wo die zweite „Wende“ ansteht. Spontan reiht sich eine aus der Seitenstraße kommende Frau ein mit Kind auf dem Kindersitz. „Ich schaffe es meist zeitlich mit meinen vier Kindern nicht 17 Uhr an der Schauburg zu sein – aber ich war hier schon vor zehn Jahren dabei, als wir auch schon gegen den geplanten Ausbau demonstrierten.“, sagt Sabine von Rothendorf. Eine andere Mutter, Romona Sickert, die täglich in Richtung TU von der Neustadt fährt findet, das erst ab Rosa-Luxemburg-Platz das Rad fahren Spaß macht – die Hölle sei es dagegen auf der Görlitzer. Ihrem Kind zu liebe und auch weil sie dort schon selbst mit sich plötzlich öffnenden Autotüren unliebsame Erfahrungen gemacht habe meidet sie die Görlitzer und fährt lieber auf der Kamenzer, die aber auch alles andere als optimal für Radler sei. Hier auf der Königsbrücker wäre wenigstens noch etwas Platz für Radler, die sich den breiten Gehsteig mit den Fußgängern teilen könnten. Das müsse unbedingt erhalten bleiben. Ganz besonders denkt sie an die Rad fahrenden Kinder. Deshalb hält der zweijährige Sohn Jakob während der Raddemo tapfer ein von der Mutter gebasteltes Schild in der Hand auf dem zu lesen ist: „Königsbrücker auch für mich!“

Mit 60 Teilnehmern wurde ein Anwachsen der Radlerzahl registriert – nachdem in den letzten vier Wochen nur noch wenige für eine „zweispurige Königsbrücker mit Platz für Radfahrer und Fußgänger“ mitgeradelt waren. Die Veranstaltung wird u.a. auch von Parteien wie den Grünen und der SPD unterstützt. Jeden Freitag 17 Uhr ist Treffen vor der Schauburg.

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