08.07.2009

Zwischen den Stühlen...

...zu sitzen: Gar nicht so einfach für ALG II-Empfänger

Er mag in seiner Stadt nicht bleiben, schämt sich wohl. Für diesen Fall sieht das SGB II die Gewährung einer Erstausstattung für Wohnbedarf vor. In Dresden ist dafür die ARGE zuständig. Er bekommt 550,- EUR bewilligt und darf sich, auf Gutschein, in einem von der Stadt zugewiesenen Gebrauchtmöbellager bedienen. Dort ist aber ständig der Großteil des gebrauchsfähigen Mobilars reserviert. Für wen auch immer. Stühle gibt es jedoch genügend. Das Problem: Laut Gutschein steht ihm nur ein Stuhl zu. Dieses Stuhlproblem nun ist für Anlass für eine Nachfrage bei der Bundesregierung, denn was tun, wenn Besuch ins Haus kommt? Ein Gespräch in Augenhöhe mit dem Sozialschnüffler z.B. wäre dann nur im Stehen möglich. Aber manchmal geschehen Wunder: die Bundesregierung meint, auch Besucher dürfen Sitzen. Welch ein Erfolg! (Dokument unten)

Weshalb allerdings in der hoch verschuldeten Stadt Bochum für die Erstausstattung 800-1000,- EUR bewilligt werden, in der schuldenfreien Stadt Dresden hingegen deutlich weniger, ist nur schwer nachvollziehbar.

Sicher kein alltäglicher Fall, mag man sagen. Wirklich nicht? Und selbst wenn: muß man einem Mann in der späten Mitte des Lebens tatsächlich vorschreiben, was genau er sich in die Wohnung stellt? Ich finde dies demütigend und und eine Demütigung, der man nicht einmal ausweichen kann, hinterlässt schlimme Narben - wenn sie Menschen nicht bricht.

Welche Blüten Hartz IV allerdings im Extremfall treibt, kann man in folgendem Video aus dem Herbst vorigen Jahres bewundern...

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