15.08.2013

Prepaid-Stromzähler?

Ein möglicher Weg aus der Kostenfalle

Hunderttausende Stromsperren jedes Jahr in Deutschland - das bedeutet, kein Licht, kein Herd, keine Waschmaschine, kein Radio und Fernsehen, kein Internet - bis der Versorger sich bequemt, die Sperre aufzuheben. Kosten: Kann ich nur für Dresden sagen - 110,- Euro für Mahnung, Sperre und Entsperrung.

Natürlich ist DIE LINKE für Strompreise, die bezahlbar sind. Natürlich ist DIE LINKE dafür, dass jeder ein Einkommen haben muss, das die Teilhabe am gesellschaftliche Leben ebenso sichert, wie die ureigensten Bedürfnisse. Dafür streiten wir seit Jahren im Bundestag.

Dennoch - die Abschaltungen sind ein Problem und man kann natürlich darauf warten und hoffen, dass sich die aritmethischen Verhältnisse im Deutschen Bundestag so absolut zu unseren Gunsten verschieben, dass wir das Problem Kraft der uns verliehenen Macht lösen.

Ich bin, nach den Erfahrungen im Parlament, hier einen anderen Weg gegangen. Ich habe mir überlegt, wie man den Menschen, die JETZT von Stromsperren betroffen sind, vor Ort helfen könnte, um sie sie nicht einfach so im Dunkeln stehen zu lassen und ihnen außerdem dafür noch Kosten auferlegt, die sie zusätzlich zu ihren Schulden beim Energieversorger in weitere finanzielle Schwierigkeiten bringen. Dabei bin ich auf die Praxis der Stadtwerke Riesa gestoßen.

Das Riesaer Modell des Einbaus von Prepaid-Zählern schien mir dabei sehr gut:

1. Der Einbau der Zähler ist freiwillig und ein Angebot der Stadtwerke.

2. Der Einbau der Zähler verursacht keinerlei Kosten für den Abnehmer. Die Kosten übernimmt der Versorger. Der gewählte Tarif bleibt völlig unberührt.

3. Die Zähler schalten sich an Wochenenden und Feiertagen sowie in der Nacht nie selbst ab - auch wenn das Konto nicht gedeckt ist.

4. Die Abnehmer sind über den Zähler stets über den momentanen Stand ihrer Versorgungssicherheit informiert.

5. Bei Überziehung des Guthabens entstehen keinerlei Kosten - weder für Mahnung, noch für Abschaltung, noch für Wiederinbetriebnahme des Zählers.

6. Die Abnehmer entscheiden selbst, was bei schmaler Kassenlage für sie im Moment wichtig ist.

7. Die Aufladestation (Automat) ist immer fußläufig erreichbar.

Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, wie viel Strom dem Menschen als Grundversorgung kostenlos zur Verfügung stehen muss. Aber ganz im Ernst - würde das das Problem der Stromsperren lösen? Wenn ich - aus welchem Grund auch immer - meine über das Grundkontingent verursachte Rechnung nicht bezahlen kann, nützt mir das kostenlose Grundkontingent gar nichts. Ich bin gesperrt - auch wenn ich einen Tag später die Rechnung begleichen könnte - und muss dann warten und viel Geld bezahlen, bis ich wieder Strom habe. Man lädt mit dem, was man hat, sein Guthaben auf und hat wieder Strom.

Unter dem Strich bleibt: Kein einziger Nachteil zur bisherigen Praxis - aber die Möglichkeit, selbst eine Entscheidung zu treffen, um ein Problem kurzfristig zu lösen, oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Unterm Strich bleibt aber auch: Menschen müssen ihre elementare Bedürfnisse befriedigen können. Das geht nur über ein entsprechendes Einkommen. Und das geht nur über uns!

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