Kindheit, Jugend und erste politische Erfahrungen

Geboren wurde ich am 18.01.1978 als Kind einer Lehrerin und eines Ökonomen in Dresden. Von der 1. Klasse bis zum Abschluss des Abiturs hatte ich ein Glück, welches heute leider immer weniger Kinder genießen können: nämlich eine Schule zu besuchen, die nur fünf Minuten von unserer Wohnung entfernt lag. Mein Drang, mich einzumischen und meine Positionen zu vertreten - manchmal auch, weil eben niemand anderes diese Aufgabe übernehmen wollte - führte dazu, dass man mich jahrelang immer wieder zur Klassensprecherin und schließlich auch zur Schulsprecherin wählte. Nach dem Abitur entschloss ich mich, im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) in Russland tätig zu sein. Dieser Schritt unterbrach mein Engagement in einer Dresdner Umweltgruppe sowie beim Jugendverein „Roter Baum“.

Nach einem Jahr sozialer Tätigkeit in Gatschina, in der Nähe von St. Petersburg begann ein neuer Lebensabschnitt für mich: das Magisterstudium in Slawistik, Amerikanistik und Rechtswissenschaft an der TU Dresden. Allerdings wurden meine Pläne, mich nun ganz der Wissenschaft zu widmen, 1997 von den Protesten für bessere Studienbedingungen durchkreuzt. Die Erfahrung, dass Politik ständig die Rahmenbedingungen des eigenen Lebens beeinflusst, führte mich zu dem Entschluss, wieder politisch tätig zu werden. Also schloss ich mich dem Protestbüro der TU an. Eine wesentliche Erkenntnis jener Zeit bestand darin, dass außerparlamentarische Proteste zyklisch verlaufen und dass manchmal allein die Weihnachtsferien ausreichen, um das einst breite Engagement für bessere Bildung bei den meisten Studierenden erlöschen zu lassen.

Der Wunsch, mich nun kontinuierlich politisch zu engagieren, führte zur Kontaktaufnahme mit der PDS Dresden. Dort brachte ich mich erst als Sympathisantin vor allem im Jugend- und Umweltbereich ein. Mein Mitgliedsausweis weist April 1998 als Eintrittsdatum aus.

Im Vorfeld der Kommunalwahlen 1999 entstand die Initiative „Jugend ins Parlament“, welche junge Kandidaten/innen über PDS-Listen in die Stadt- und Gemeinderäte einziehen lassen wollte. Im Zuge dessen wurde ich in Dresden zur Stadträtin gewählt. Diese damals mit 50 gewonnenen Kandidaten/innen sehr erfolgreiche Kampagne wurde nun ebenfalls auf die wenig später stattgefundenen Landtagswahlen übertragen. Schließlich sollten die verschiedenen Bevölkerungsgruppen auch in diesem Parlament vertreten sein. Entscheidend ist nicht das Vorhandensein eines Vorzeigejugendlichen in der Fraktion, viel wichtiger ist, dass sich spezifische Politikansätze in einer Fraktion entfalten können. Nachdem drei der jungen Kandidaten/innen – darunter meine Person – im September 1999 in den Sächsischen Landtag gewählt wurden, gründeten wir den Arbeitskreis (AK) Jugend und Zukunft. Eine Besonderheit dieses AK bestand darin, dass in ihm viele außerparlamentarische Akteure mitwirkten und wir versuchten, politische Themen auf die Alltagswelt junger Menschen zu projizieren.

Innerhalb der Fraktion übernahm ich das Amt der verkehrspolitischen Sprecherin. Anfangs war dies kein leichtes Feld, da damals die Verkehrspolitik in Sachsen eine reine Männerdomäne war. Aber mich reizte an diesen Politikbereich zweierlei: Erstens brach diese Entscheidung mit der klassischen Aufgabenteilung, wonach junge Frauen vor allem Familienpolitik übernehmen. Zweitens kommt es in der Verkehrspolitik ganz praktisch darauf an, ökologische und soziale Fragen zusammen zu bringen. Damals wie heute lautet mein verkehrspolitisches Credo: Möglichst viel Mobilität für alle, aber möglichst wenig Verkehr und vor allem wenig motorisierten Individualverkehr. Denn nicht selten führt der Bau neuer Autobahnen nur zu noch mehr Autoverkehr. Um die umweltfreundlicheren Verkehrsmittel zu stärken, wirkte ich zudem in der außerparlamentarischen Initiative „Sachsen fährt Bahn“ und dem Fahrgastbeirat der DB REGIO Sachsen mit.

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