09.11.2012

Post von Donald Duck

Entenhausens berühmtester Bürger hat eine Frage zum Zinssystem

Als Parteivorsitzende bekomme ich zwar viele BürgerInnenbriefe – aber selten von einem so prominenten Bürger. Ein Brief von Donald Duck hat Seltenheitswert. Obwohl ich BürgerInnenbriefe üblicherweise nicht veröffentliche, mache ich deshalb heute einmal eine Ausnahme. Herrn Duck wird es sicherlich recht sein, schließlich bittet er mich ja, zum Thema Zinsen und Geldsystem etwas auf meiner Website zu sagen.
Hier sein Brief an mich:

E-Mail von Donald Duck:

Von: Donald Duck
Gesendet: Sonntag, 4. November 2012 00:09
An: Kipping Katja Wahlkreis
Betreff: Ihre Meinung zum Thema Geldsystem

Hallo Frau Kipping,

nachdem ich Sie immer mehr wahrnehme, mit Ihren Meinungen übereinstimme und Sie sich anscheinend auch an die wahrhaftigen Ursachen der Situationen ganz allgemein herantasten, wollte ich nachlesen, wie Katja Kipping zum Thema Geld an sich steht. Leider konnte ich bisher noch nichts dazu finden. In einem Interview mit Ihrem Kollegen Gregor Gysi; aber auch einer Podiumsdiskussion mit Sahra Wagenknecht ließen beide jeweils verlauten, dass am bestehenden Geldsystem bzw. Zins- und Zinseszinsen kein Problem bestehe.
Dieses schockierte mich ein wenig, denn dieser Auffassung bin ich nicht, im Gegenteil. Denn die Politik der Linken ist für eine hohe Besteuerung der reichen Menschen, da diese immer reicher werden und somit die Schere von arm und reich auseinanderdriftet. Diese Entwicklung des Auseinandergehens ist jedoch eine völlig normale Entwicklung, bedingt durch das Zins- und Zinseszinssystem!
Durch dieses System des Zins also wird die Umverteilung von "unten" nach "oben" betrieben. Anstatt nun durch die Besteuerung der Reichen lediglich die Symptomatik zu bekämpfen, ist es sinnvoll, die Ursache zu beleuchten und das Geldsystem an sich wenigstens zu hinterfragen! Denn dieses System ist älter als 500 Jahre, auf der gesamten Welt verbreitet, wird dogmatisch ohne Hinterfragung an Universitäten für BWL und VWL gelehrt und ist nirgendswo demokratisch legitimiert.

Alternativen gibt es. Ökonomen wie Prof. Dr. Franz Hörmann, der auch schon bei Beckmann (ARD) zu sehen war oder auch bei 3Sat, was man sich bei YouTube anschauen kann, erklärt diese Problematiken absolut hervorragend. Ebenfalls die immer größer werdende "wissensmanufaktur.net" oder auch die Gemeinwohlökonomie "attac" werden von immer mehr Leuten angehört und bieten Hoffnung für eine wirkliche, wahrhaftige Veränderung des gesamten Systems.
Auf Grund der immer weiter sinkenden Sozialleistungen, Renten und Reallöhne, der daraus wachsenden Frustration, aber auch der hervorragenden Präsenz durch die Fraktion DIE LINKE, vor allen Dingen auch durch die immer interessanter werdende Katja Kipping (Die Rede vom 28.10.2012 war grandios) hinterfragen die Menschen ihr Verhalten in vielen Bereichen und denken auch vermehrt über allgemeine politische Konzepte nach, kehren somit den vier einheitlich agierenden Systemparteien immer mehr den Rücken zu und steuern eher in Richtung Fraktion DIE LINKE, aber auch andere Parteien oder Bewegungen.

Daher hoffe ich, dass Sie Ihren Mut und Ihre Willenskraft weiterhin einsetzen werden, sowohl den Menschen als auch den Lebewesen und der Natur eine Zukunft zu ermöglichen!
Mein Wunsch ist, von Ihnen ihre Meinung und Erkenntnisse zum Thema Geldsystem auf ihrer Internetseite zu lesen oder in Videoform zu erfahren.
Zum Schluss ein Zitat vom schon erwähnten Franz Hörmann: "Demokratie beginnt mit einem demokratischen Geldsystem."

Liebe Grüße
Donald Duck

Meine Antwort:

Sehr geehrter Herr Duck,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Dass Sie das gegenwärtige Zinssystem problematisch finden, kann ich gut verstehen. Meine Partei verweist immer wieder darauf hin, dass die Banken sich einerseits bei der Zentralbank Geld für unter 1 Prozentpunkt leihen können, es aber teilweise mit weit über 10 % - z. B. bei Überziehungszinsen - weiter verleihen. Dem wollen wir einen gesetzlichen Riegel vorschieben.

Aber dennoch möchte ich Sie, lieber Herr Duck, auch darauf verweisen, dass nicht nur in der Zinswirtschaft ein Problem besteht. Ein wesentliches Problem unserer Gesellschaft und der ökonomischen Krise ist die gesellschaftliche Reichtumsverteilung. Denken Sie nur an den unfassbaren Reichtum von Klaas Klever und ihres Onkel Dagoberts - den beiden reichsten Männer Entenhausens. Überhaupt ist der Reichtum Entenhausens ungleich verteilt. So besitzen die obersten 2,5 % der Bürger Entenhausens 61,0 % der Taler Entenhausens. Der Reichtum dieser wenigen Enten liegt auch darin begründet, dass beispielsweise Enten wie Ihr Onkel, Sie immer wieder dazu zwingen kann, unentgeltlich oder nur für einen kleinen Obolus für sich arbeiten zu lassen. Das darf nicht sein! Wir fordern deshalb einen Mindestlohn von mindestens 10 Talern pro Stunde, der für alle Beschäftigten gilt.
Außerdem müssen wir den Reichtum Entenhausens umverteilen. So wollen wir viel effektiver an das Geld im Geldspeicher Ihres Onkels als es die Panzerknacker je könnten. Sie fragen sich jetzt sicherlich, wie wir das schaffen wollen? Nicht indem wir dort einbrechen! Wir wollen vielmehr ganz legal im Stadtrat von Entenhausen eine Vermögensteuer und Millionärsteuer durchsetzen. Sind die Einkommen und Vermögen in Entenhausen gerecht und fair verteilt, wird auch das Problem der Zinslast die Bevölkerung geringer. Wer ein ordentliches Einkommen hat, muss sich schließlich auch weniger Geld von der Bank leihen.
Sehr geehrter Herr Duck, da Sie mich gebeten haben, auf meiner Website etwas zum Thema Zinsen zu veröffentlichen, erlaube ich mir, ihren Brief und meine Antwort an dieser Stelle zu veröffentlichen.

Herzlichen Gruß,
Ihre
Katja Kipping


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