18.07.2017

Das Grundeinkommen als Katalysator für Arbeitszeitverkürzung und Zeitsouveränität

Gedanken nach der Lektüre der IG-Metall-Studie zur Arbeitszeit

Die IG Metall hat jüngst die Ergebnisse einer Befragung Beschäftigter zur Arbeitszeit veröffentlicht. Die Ergebnisse sind sehr interessant und bestätigen den Wunsch vieler, ihre Arbeits- und Lebenszeit selbstbestimmt einzuteilen. Und es spricht für die IG Metall, dass sie das wichtige Thema Arbeitszeit so umfassend aufgreift.

Lediglich eine Passage machte mich in dieser sonst so gründlichen Untersuchung stutzig. Und zwar eine Passage zum Grundeinkommen, die nichts mit den Befragungsergebnissen zu tun hatte. Sie wurde wohl auch aus Unkenntnis über Grundeinkommenskonzepte in die Veröffentlichung hineingeschrieben. Hier die Passage:

„Die Rationalisierungsgewinne bei den Unternehmen zu belassen, die Rationalisierungsfolgen dagegen der Gesellschaft aufzubürden – das ist keine gerechte Antwort auf die Verteilungsfrage. Deshalb führt die Vorstellung eines bedingungslosen Grundeinkommens, das immer nur ein geringes, wenn nicht gar nur ein Mindesteinkommen bieten kann, in die falsche Richtung: Ein bedingungsloses Grundeinkommen verhindert eine weitergehende Verteilung, wie wir sie fordern. Vielmehr ist die Frage zu stellen, wie allen der Zugang zu gut bezahlter und sicherer Erwerbsarbeit in Zukunft zu sichern ist.“ (S. 72)

Nun hat die Debatte ums Grundeinkommen durchaus auch dank kritischer Nachfragen aus den Gewerkschaften an Substanz gewonnen. So geht es in der Tat auch darum, das Projekt Grundeinkommen zu immunisieren gegen neoliberale Kaperversuche. Doch das hier von der IG Metall angeführte Argument läuft ins Leere. Denn das Gegenteil vom Behaupteten ist der Fall:

Oft werden emanzipatorische Grundeinkommenskonzepte von rechter Seite dafür angegriffen, dass sie eine starke Umverteilung von oben nach unten mit sich bringen würden und zu hoch sein. Das Finanzierungsmodell der BAG Grundeinkommen in und bei der Partei DIE LINKE sieht z.B. vor, dass alle mit einem Einkommen unter 7000 Euro brutto im Monat besser gestellt werden und alle ab 7000 Euro draufzahlen. Die mittleren und niedrigen Einkommen werden also deutlich besser gestellt, 97 Prozent der Beschäftigten würden vom Grundeinkommen profitieren.

Umfragen ergeben darüber hinaus, dass viele Beschäftigte mit Grundeinkommen ihre Arbeits- und Lebenszeit selbstbestimmter einteilen würden, auch ihre Arbeitszeit verkürzen würden. Heute herrscht das Gegenteil vom Grundeinkommen, namentlich Hartz IV. Im Zuge von Hartz IV hat auch die Bereitschaft zugenommen, familienunfreundliche Arbeitszeiten zu akzeptieren. Wenn beim Widerspruch im Job mit Hartz IV also ein System von Armut und Schikane droht, nimmt man schneller auch mal unbezahlte Überstunden in Kauf. Soziale Garantien wie ein Grundeinkommen hingegen geben einen sicheren Grund. Das Wissen darum macht auch die Beschäftigten wehrhafter und erleichtert es auch mal nein zu sagen zu Anforderungen des Chefs. Das Grundeinkommen ist also ein guter Katalysator für Arbeitszeitverkürzung und Zeitsouveränität. Niemand muss durch Überarbeiten seine Unverzichtbarkeit im Job beweisen.

Damit wären also die Forderungen, die in der IG-Metall-Studie aufgestellt werden, mit solchem Grundeinkommen erfüllt bzw. befördert – radikale Umverteilung von oben nach unten, Arbeitszeitverkürzungsmöglichkeiten und Gewinn von Zeitsouveränität.

Übrigens: In einer früheren IG-Metall-Befragung zum Thema „So wollen wir leben“ war das Grundeinkommen eines der TOP-Themen (und zwar unter der Rubrik: „Meine persönliche Forderung an die Politik lautet“, S. 10 und 15 der Befragungsergebnisse). Also gibt es doch durchaus mehr gemeinsame Anknüpfungspunkte zwischen Gewerkschaften und Grundeinkommens-Community, als landläufig angenommen wird.

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