05.07.2017

Gesetzlich garantierte und geförderte Sabbaticals

Eine Studie und Anmerkungen

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat eine Studie zum Thema „Gesetzlich garantierte Sabbaticals“ beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in Auftrag gegeben.

Im Wahlprogramm unserer Partei steht dazu:

„Sabbatjahre für alle: Beschäftigte sollen zweimal in ihrem Berufsleben die Möglichkeit haben, für ein Jahr auszusteigen (Sabbatjahr). Damit verbunden ist ein Rückkehrrecht auf den gleichen oder einen gleichwertigen Arbeitsplatz. Die Sabbatzeiten können auch als kleinere Auszeiten von drei bis sechs Monaten genommen werden.“

Die Studie wurde auf der Veranstaltung „Junge Wissenschaft trifft Politik“ unter Leitung der Präsidentin des WZB, Jutta Allmendinger, am 15. Juni 2017 im WZB vorgestellt.

Ich hatte die Möglichkeit, einen Gastbeitrag zum Thema «Zeitsouveränität für alle – Anforderungen an eine zukunftsfähige Zeitpolitik» zu halten.

Die Studie des WZB kann von der Website der Rosa-Luxemburg-Stiftung heruntergeladen werden. Zehn Folien geben die wichtigsten Ergebnisse der Studie wieder.

Ich möchte in Auswertung der Studie acht Anmerkungen machen.

1. Sabbaticals (längere Auszeiten) können neben der allgemeinen Arbeitszeitverkürzung eine wichtige Rolle bei der Verkürzung von Arbeitszeit und Gewinnung von individueller Zeitsouveränität spielen.

2. Es gibt einen großen Wunsch nach Sabbaticals in Deutschland. Rund die Hälfte der Beschäftigten wünschen sich Sabbaticalmöglichkeiten.

3. Bisher bestehende Sabbaticalformen (Langzeitkonten) stehen nur einem kleinen Kreis von Beschäftigten zur Verfügung (Privilegierung höherer Einkommensschichten, öffentlicher Dienst usw.). Die Inanspruchnahme von Sabbaticalmöglichkeiten ist auch wegen des fehlenden Rechtsanspruches gering.

4. Voraussetzungen einer bedeutend höheren Inanspruchnahme und einer Entprivilegierung sind: gesetzlicher Rechtsanspruch, ausreichende Höhe der finanziellen Förderung und eine soziale Absicherung (Renten-, Krankenversicherung), insbesondere für untere Einkommensschichten, Arbeitsplatz-, Karriere und Lohnsicherheit nach dem Sabbatical sowie der Abbau kulturell-normativer und betrieblicher Hürden.

5. Sabbaticalregelungen können mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen (Personalausgleich durch Erwerbslose) verbunden und gefördert werden. Das hat Vorteile für Unternehmen (Absicherung der Arbeitsaufgaben) und für Erwerbslose (beruflicher Wiedereinstieg, Qualifikation, Einkommenserhöhung). Eine zwingende Voraussetzung der Verbindung mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen reduziert aber die Möglichkeit der Inanspruchnahme von Sabbaticals, ist daher nicht zielführend.

6. Sabbaticalregelungen, die mit bestimmten Bedingungen hinsichtlich Inanspruchnahme (Bildung, Qualifizierung, Erziehung, Betreuung) verbunden sind, schränken den potenziellen Nutzer*innenkreis von Sabbaticals ein. Sabbaticalregelungen ohne bestimmte Bedingungen wird der Vorzug gegeben.

7. Die Wahl zwischen Vollzeit- und Teilzeitsabbaticalregelungen kommen den individuellen Präferenzen der Nutzer*innen entgegen, ebenso mögliche Stückelungen von Zeiten der Inanspruchnahme (Vierteljahr, halbes oder ganzes Jahr).

8. Um der Verfestigung geschlechterungerechter Verteilung der unbezahlten Care-Arbeit entgegenzuwirken und eine geschlechtergerechte Umverteilung der unbezahlten Care-Arbeit in diesem Bereich zu befördern, sind folgende politische Maßnahmen flankierend zu den veränderten Rahmenbedingungen für Sabbaticals umzusetzen: Ausbau sozialer Infrastruktur und Dienstleistungen und deren Ausgestaltung gemäß den Bedürfnissen der Nutzer*innen, Förderung selbstorganisierter Care-Strukturen im sozialen Nahfeld, spezielle Anreizinstrumente für die Inanspruchnahme von Auszeiten, die in Verbindung mit Care-Arbeit stehen, durch Männer, zum Beispiel durch Verlängerung der Anspruchsdauer und Erhöhung der finanziellen Förderung dieser Auszeiten.

Das Thema "garantierte und geförderte Sabbaticals" ist auch Bestandteil des aktuellen Kommissionsberichts „Arbeit der Zukunft“ der Hans-Böckler-Stiftung, dort unter dem Stichwort „Recht auf eine begründungsfreie Auszeit“ (S. 138). Bereits im Jahr 2011 erschien in den WSI-Mitteilungen ein Debattenbeitrag „Wir brauchen die 'Bedingungslose Grundzeit'“.

Mit der o. g. WZB-Studie ist nunmehr eine gute Grundlage für einen konkreten Umsetzungsvorschlag für gesetzlich garantierte und geförderte Sabbaticals gegeben.

Ausdrucken | Versenden | Seitenanfang

Community

Sommertour Katja Kipping
Wer flüchtet schon freiwillig
Manifest LWdZ
Dassmussdrinsein
Mitmachen

Freunde

Linksjugend Sachsen