Foto von Katja Kipping
23.09.2011

Fällige Beichte

Ich habe geschwänzt

Zum besseren Verständnis meiner Entscheidung möchte ich darauf verweisen, dass die Trennung von Staat und Kirche, sowie überhaupt die Ferne der Politik von weltanschaulichen Bekenntnissen für mich - gerade als Ostdeutsche - ein hohes Gut darstellt.

Insofern halte ich die Einladung an den Papst, als Staatsoberhaupt des Vatikanstaates im Bundestag zu sprechen, zwar für einen geschickten Schachzug des Bundestagspräsidenten – sie ist und bleibt jedoch nichts weiter, als die beginnende Aushöhlung des Trennungsgebotes und dazu noch die Aufwertung EINER Religion im Parlament. Und dem verweigere ich mich.

Der römisch-katholische Kirche gehören etwa 30% der Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik an. Etwa ebenso viele sind Protestanten, 34% sind gänzlich konfessionslos. Es gibt also nicht einmal mathematisch den geringsten Grund für irgendeine bevorzugte politische Behandlung des Papstes in Deutschland.

Schließlich halte ich den Vorwurf der Intoleranz und Unhöflichkeit an jene Abgeordneten, die ähnlich denken, mit Verlaub gesagt, für eine Phrase. Sie haben gar keine andere Möglichkeit, als ihren Unmut durch ihr Fernbleiben auszudrücken - denn eine Diskussion mit dem Papst ist nicht vorgesehen. Ganz persönlich habe ich übrigens schon von einigen dieser plötzlichen Höflichkeits- und Respektsapostel im Parlament Dinge gesagt bekommen, die ich hier nicht weiter ausführen möchte. Aber egal. Um seine religiösen oder moralischen Botschaften zu verbreiten, steht dem Papst seine Kirche mit all ihren Bauwerken, Institutionen und Medien zu Verfügung.

Das Parlament ist ein Ort des Austauschs und des mehr oder weniger produktiven Streits über die Lösung weltlicher Probleme. So Parlamentarier glauben, dafür religiöse Erbauung nötig zu haben, können sie sich diese bei der Kirche ihres Vertrauens jederzeit holen.
Gegen den Besuch von Veranstaltungen durch Politikerinnen und Politikern, welche im Zuge des Papstbesuches von seiner Kirche ausgerichtet werden, habe ich deshalb nicht das geringste einzuwenden.

Schlagworte zu diesem Artikel: Menschenrechte,
  • MdB's gegen den Mißbrauch des Parlaments
    MdB's gegen den Mißbrauch des Parlaments
7 Tage - 7 Argumente

Linke Links

Freunde

Vermögensteuer jetzt

Katja Kipping auf Facebook

Lesezeichen setzen