Zum 2. Welttag der sozialen Gerechtigkeit am Samstag erklärt Katja Kipping, stellvertretende Vorsitzende der Partei DIE LINKE:
Der
20. Februar ist der Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Eine von
neoliberalen Kreisen gern benutzte Auslegung des Begriffes soziale
Gerechtigkeit ist, dass nur diejenigen Menschen, welche einer
Erwerbsarbeit nachgehen, Anspruch auf gerechte, soziale Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben haben.
Aktuell stellt das Deutsche
Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fest, dass Armut in Deutschland
in den letzten zehn Jahren um ein Drittel zugenommen hat. Die
Bestimmung der Regelleistungen für Bedürftige ist verfassungswidrig,
mit Sanktionen werden grundrechtswidrig die Armutstransfers sogar bis
auf null gekürzt. Die durchschnittliche Transferhöhe bei Hartz IV liegt
bei 649 Euro, damit deutlich unter der Armutsrisikogrenze von 925 Euro,
die das DIW benannte. Die geringe Umverteilung in Deutschland zeigt
Gründe von Armut und Ausgrenzung von gesellschaftlicher Teilhabe: Die
reichsten zehn Prozent der Bevölkerung verfügten über mehr als 60
Prozent des gesamten Vermögens, so der Sachverständigenrat im
Jahresgutachten 2009/2010. Die unteren 60 Prozent in der Bevölkerung
hatten kein oder lediglich ein geringes Vermögen beziehungsweise hatten
sogar Schulden. Die obersten zehn Prozent in der Einkommenshierarchie
verfügten in etwa über genauso viel Nettoeinkommen wie die untersten
vierzig Prozent, nämlich zwanzig Prozent des Gesamtnettoeinkommens.
Auch die Ost-West-Schere klafft weiterhin eklatant auseinander. Im Jahr
2007 erreichte das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen lediglich
77,8 Prozent des Westniveaus.
Vor diesem Hintergrund erklärt
sich auch die Zunahme von Nützlichkeitsrassismus und Feindlichkeit
gegenüber benachteiligten Menschengruppen. Die Angst und Sorge um die
eigene Existenzsicherheit und vor dem sozialen Abstieg lässt einen
Kältestrom durch Deutschland ziehen. Wer im Turbokapitalismus nicht
mithalten kann oder will, wird zum Überflüssigen und ökonomisch
Unnützen abgestempelt.
Wir als LINKE lehnen eine derartige
Sichtweise ab. Menschen, die arbeiten, müssen von dieser Arbeit leben
können. Menschen, die keine Arbeit haben, dürfen weder in unwürdige
Arbeitsbedingungen gezwungen werden, noch dafür bestraft werden, wenn
sie sich einem solchen Ansinnen verweigern. Repressionen gegen
Erwerbslose sind einer Gesellschaft, die sich dem Sozialstaatsprinzip
verpflichtet fühlt, unwürdig. Soziale Gerechtigkeit heißt für uns,
jedem Menschen die Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen,
unabhängig davon, ob er einer Erwerbsarbeit nachgeht, oder nicht.
Die
DIE LINKE setzt dem eine konsequente Politik für mehr Teilhabe- und
Verteilungsgerechtigkeit entgegen. Nur ein demokratischer Sozialstaat,
der allen Menschen die Grundrechte garantiert, führt zur sozialen
Gerechtigkeit. Dazu bedarf es des politischen Kampfes der sozialen
Bewegungen, Gewerkschaften und aller Linken in den Parteien.