27.01.2010
Hässliches aus Hessen
Roland Koch will keine Sklaven - nur Leibeigene
Bekannt geworden durch
unappetitliche Wahlkampfäußerungen – mal zur doppelten
Staatsbürgerschaft, mal zu den fremdländisch klingenden Namen seiner
demokratischen Mitbewerber/-innen, hat es der Rechtsaußen der Union
diesmal auf die Hartz IV-Betroffenen abgesehen. Zitat: "Wir müssen
jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als Gegenleistung für die
staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht, auch
niederwertiger Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen Beschäftigung".
Nun ist Hetze gegen sozial Schwache so ziemlich das Normalste,
was man von Roland Koch erwarten darf, vor allen Dingen in Zeiten
leerer öffentlicher Kassen. Aber Moment: Was er so ganz nebenbei
vermittelt, fast ohne dass man es merkt: Soziale Grundsicherung wird an
Zwangsarbeit gekoppelt. Allerdings: Wieso soll jemand, der „niederer
Arbeit“ nachgeht, eigentlich Arbeitslosengeld II bekommen, also
Leistungen, für deren Bezug er seine gesamten persönlichen Verhältnisse
offen legen, Sozialschnüfflern Zugang zu seiner Wohnung gewähren und
vorher die Überbestände seines Schonvermögens verbrauchen muss?
"Niedrige Arbeit" – was ist das eigentlich? Doch wohl Arbeit,
die keiner machen möchte. Und wenn man es wirklich marktwirtschaftlich
betrachtet, müsste man diese Arbeit nicht eigentlich hoch bezahlen,
wenn dafür kaum jemand zu finden ist? Hier wird das Verhältnis zwischen
Nachfrage und Preis – sonst ganz selbstverständlich bestimmendes Moment
der Marktwirtschaft – vollends auf den Kopf gestellt. Mit anderen
Worten: Herr Koch sucht Arbeitskräfte, die für die Erhaltung ihrer
Arbeitskraft das Lebensnotwendige gestellt bekommen und im Falle von
Aufsässigkeit – wir sind ja so humanistisch –mit Sanktionen statt mit
Schlägen rechnen müssen. Ein ganz eindeutiger Rückfall weit hinter den
Frühkapitalismus. Koch fordert nichts weiter, als die Wiedereinführung
der Leibeigenschaft.
Viel schlimmer ist allerdings: Koch spricht damit nur aus, was
in den Regierungsparteien viele denken. Dabei lässt Koch natürlich auch
den Versuch der Entsolidarisierung nicht aus, wenn er postuliert, es
könne kein "funktionierendes Arbeitslosenhilfe-System geben, das nicht
auch ein Element von Abschreckung enthält. Sonst ist das für die
regulär Erwerbstätigen, die ihr verfügbares Einkommen mit den
Unterstützungssätzen vergleichen, unerträglich."
So deutlich sagen es nur wenige den Geringverdienenden: Damit
ihr Euch mit Euren Dumpinglöhnen nicht ganz so unwohl fühlt, nehmen wir
die Hartz IV-Beziehenden härter an die Kandare. Dass dies für Menschen,
die sich nicht als Leibeigene des Staates halten lassen wollen, im
Ernstfall Hunger und Wohnungslosigkeit bedeuten würde, ficht Koch nicht
an.
Im Bundestag geht es jetzt in die ersten Haushaltsrunden.
Selbstverständlich werden dabei im Sozialbereich enorme Einsparungen
gefordert werden, um die Steuerversprechen von Union und FDP an ihre
Wählerklientel erfüllen zu können. Und eben so selbstverständlich
werden wir als LINKE dagegen halten.