Foto von Katja Kipping
04.11.2009

Der zwölfte Mann

Ein Magazin und seine Geschichte

Menschen, die älter sind als 40 Jahre, erzählen mir wehmütig vom "Dynamo-Kreisel" der 70er Jahre: technisch brillanter Fußball, gepaart mit schier unerschöpflichem Kampfgeist. Dynamo hatte europäisches Format und war eine der wenigen Gelegenheiten, sich mit dem DDR-Fußball zu identifizieren.

Mit der Wende wurde alles anders - auch im Dresdner Fußball. Leistungsträger wurden - bis in den Nachwuchsbereich hinein - weggekauft und dubiose Spielvermittler und Managergestalten füllten sich am einstigen Flaggschiff des ostdeutschen Fußballs die Taschen. Ein Skandal jagte den anderen, Trainer kamen und gingen im Monatstakt und 1995 war die Substanz restlos aufgezehrt. Innerhalb von 5 Jahren wurde der Verein von der 1. Bundesliga bis in die 4. Liga durchgereicht.

Trotz allem: Dynamo-Fans gehören zu den treuesten im deutschen Fußball und auch wenn man in den Medien allzuoft ausschließlich negative Dinge vermittelt bekommt: das Bild vom randalierenden Dynamo-Prügel-Nazi ist letztendlich nur das, was viele Journalisten interessiert, um eben Auflage zu machen - keineswegs jedoch repräsentativ.

Dies erfuhr ich bei einem Treff im Dynamo-Fanhaus, in dem sich das, Anfang 2003 nach sich häufenden, schweren Ausschreitungen bei Spielen des Klubs gegründete Fanprojekt befindet. Was dort entstanden ist, kann sich wirklich sehen lassen. Cleverer Weise setzen die dort beschäftigten Sozialarbeiter bei den jüngsten Dynamo-Fans an und haben deshalb ein U 16-Projekt aus der Taufe gehoben. Hier sollen von an Beginn sportliche Werte vermittelt werden, sagt Torsten Rudolph, der Projekt-Koordinator. "Wer selbst sportlich aktiv ist und sich mit anderen misst, kommt in der Regel gar nicht auf die Idee, auf Fans anderer Mannschaften einzuprügeln."

Auch mit den Dresdner Ultras, traditionell eine - aus ihrem Selbstverständnis heraus - schwer einzubindende Fan-Klientel, gibt es inzwischen recht gute Kontakte.
Mehr über das Fanprojekt und sein Haus findet man auf der Homepage und im Fan-Magazin "Der Zwölfte Mann", das man übrigens auch abonnieren kann.

Schlagworte zu diesem Artikel: Dresden,

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